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DRAUßEN NICHT SAGEN

In Lachendorf wohnte ein Bauer, der hatte einen Knecht, welcher mit einem anderen Knechte auf der Weide hinterm Busch lag, um Mittagsruhe zu halte.

Da schlief der eine Knecht beinahe ein; aber er blinzelte noch mit den Augen und sah, wie der andere einen ledernen Gürtel umtat und sich in einen Werwolf verwandelte, darauf davonlief, ein junges Füllen, das auf der Weide graste, anfiel, und mit Haut und Haar auffraß. Als er nun zurückkam, legte er sich wieder unter den Busch zum anderen Knechte, der noch tat, als ob er schliefe.

Nachdem die Mittagsstunde vorüber war, mähten sie beide bis zum Abend. Dann gingen sie zusammen nach Lachendorf, und unterwegs sagte der Knecht zum Werwolf: Ich möchte mich doch nicht am lebendigen Pferde ssattfressen. - Das hättest du heute Mittag nicht sagen dürfen, es wäre dir sonst übel ergangen, entgegnete der Werwolfsknecht.

Ein andermal stand dieser wieder während der Mittagsruhe auf, tat seinen Gürtel um und lief als Wolf davon; aber da verfolgten oihn die anderen Knechte, hetzten die Hunde auf ihn und schlugen ihn tot." Die Menschen verwandeln sich in Werwölfe, indem sie einen Gürtel umlegen, und dann steheln sie den Leuten allerlei. Den Knechten, die Korn auf dem Rücken tragen, nehmen sie das Korn ab. Ruft man einen Werwolf bei seinem menschlichen Namen, wenn man ihn nämlich weiß, so muß er so lange laufen, bis er umkommt.

Quelle: Will-Erich Peukert: Niedersächsische Sagen II. Göttingen 1968, S.498-499.
Die Sagen der Lüneburger Heide wurden von
Etta Bengen gesammelt und für SAGEN.at zur Verfügung gestellt.
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