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DIE GOLDENEN ERBSEN

Es trug sich einmal zu, daß ein Mann aus Lichtenberg eine Besorgung auf dem Vorwerke Altenhagen zu machen hatte, und als er damit fertig war und zurückkehrte, schlug er nicht den Fahrweg ein, der um den Burgberg führt, sondern ging geradezu über die Ruinen. Als er nun in die alte Küche kam, - die Stelle, wo diese gewesen sein soll, kann noch heute jedes Kind zeigen, - sah er da auf dem Herde ein lustig Feuer brennen, und über demselben stand ein Topf, in dem gelbe Erbsen so tüchtig kochten, daß sie gar über den Rand des Topfes sprangen und in die Asche fielen. Es war aber niemand dabeio und ließ sich auch sonst auf der Burg kein Mensch weder hören noch sehen. Merkwürdig! dachte der Mann, wenn du dies unten im Dorfe sagst, werden sie den Kopof schütteln. Um nun seiner Erzählung doch Glauben zu verschaffen, steckte er einige Erbsen in die Tasche. Vor dem Orte angekommen, traf er einen guten Freund, dem er sogleich die ganze Geschichte erzählte. Der Mann aber lachte und sagte: Du willst mich wohl für einen Narren halten! Da griff der Erzähler in die Tasche, um die Erbsen vorzuzeigen, aber, o Wunder! sie hatten sich unterwegs in eitel Gold verwandelt. Ohne noch ein weiteres Wort zu verlieren, stiegen beide rasch den Berg hinan, um noch mehr Erbsen zu holen. Aber als sie in die Burgküche kamen, war nichts weiter hzu sehen als die nackten vier Wände. Feuer, Topf und Erbsen, - alles war verschwunden.-

Quelle: Will-Erich Peukert: Niedersächsische Sagen V. Göttingen 1968, S.362-363.
Die Sagen der Lüneburger Heide wurden von
Etta Bengen gesammelt und für SAGEN.at zur Verfügung gestellt.
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