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DAS TOTE PFERD

Ungefähr eine Stunde von Celle, rechtsab von der Chaussee und schräg gegenüber dem Dorfe Altencelle, liegt an der Fuhse, einem Nebenflusse der Aller, das Dörfchen Burg, so benannt, weil hier früher die Burg oder das Schloß der Herzöge von Celle gestanden, - und ist die alte Stadt Celle so groß gewesen, daß die zwischen Altencelle und Burg liegenden Acker- und Heidfläche ganz mit Häusern ausgefüllt war. Von der alten Burg ist aber jetzt weiter nichts zu sehen, als der Graben und einige Überbleibsel des mit Gras bewachsenen Walles. Von diesem Walle geht nun die Sage, daß sich allda in mondscheinhellen Nächten eine weiße Jungfrau sehen läßt, die geht händeringend auf und ab, sagt aber kein Wort, und nur denjenigen, der auf sie zugeht, winkt sie zu sich heran; es hat jedoch noch niemand den Muth gehabt, mit ihr zu gehen, obgleich man allgemein glaubt, daß man durch sie in den Besitz eines großen Schatzes gelangen könne, von dessen Hebung ihre Erlössung abhängig sei.

Ein alter Schäfer erzählt auch, daß er eines Mittags auf dem Walle ein todtes Pferd habe liegen sehen, dessen Hufe von eitel Gold gewesen. Er sei aber voller Furcht an dem Pferde vorbeigegangen, habe sich jedoch nach einiger Zeit eines Besseren besonnen und sei nach der Stele zurückgekehrt, wo leider nun nichts mehr von dem Pferde zu sehen gewesen, und habe er so die wohlverdiente Strafe für seine unnütze Furcht empfangen, denn wenn er gleich auf das pferd irgend einen ihm gehörenden Gegenstand, etwa seinen Hut oder sein Messer geworfen, dann hätte der ganze Cadaver sich in püures Gold verwandelt, und er sei ein steinreicher Mann geworden.

Quelle: Will-Erich Peukert: Niedersächsische Sagen V. Göttingen 1968, S.364-365.
Die Sagen der Lüneburger Heide wurden von
Etta Bengen gesammelt und für SAGEN.at zur Verfügung gestellt.
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