|
SAGEN.at >> Traditionelle Sagen >> Deutschland >> Mecklenburg-Vorpommern |
|
|
6. Die Longobarden in Rügen. In uralten Zeiten war einmal eine große Theurung und Hungersnoth
in Norwegen. Da traten die starken Leute auf, die des mittleren Alters
waren, und wollten die Alten und die Jungen, als den schwächeren
Theil, tödten, damit sie nicht Alle Hungers stürben. Dasselbe
hat aber eine ehrbare Frau, Gamboir geheißen, abgerathen und gesagt,
man sollte lieber das alte und junge untüchtige Volk an einen Haufen,
und das starke Volk an einen anderen Haufen setzen, und das Loos darum
werfen, wer aus dem Lande ziehen sollte; welchen Theil das Loos träfe,
dem würden die Götter schon gute Wege zeigen. Solches gefiel
ihnen Allen wohl und sie warfen das Loos. Das traf die starken. Dieselben
mußten nun wegziehen, und kamen nach langem Streifen und Umherziehen
zuletzt auf das Land zu Rügen. Daraus vertrieben sie die Rüger
und setzten sich an deren Stelle fest im Lande. Und weil sie auf ihrer
langen Reise die Bärte hatten lang wachsen lassen, hießen sie
sich die Langbarte, welchen Namen sie auch behalten haben. Sie sollen
auch die Stadt Barth erbaut haben, welche in ihrem Wappen noch ein Haupt
mit einem langen Barte führt. Th. Kantzow, Pomerania. I. S. 24-26. Die Volkssagen von Pommern und Rügen, J. D. H. Temme, Berlin 1840, Nr. 6 |