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DIE LANGE AGNES Ehe man auf der alten Straße von Viechtach nach Patersdorf ins "Oaholz" 1) kommt, hat man in einem hübschen Tälchen die Oa oder Weißbruck, welche über den Weißbach führt, zu überschreiten. Unter dieser Brücke trieb die lange Agnes ihr Wesen. Jeder, der zur Nachtzeit vorüber kam, wurde von ihr mit einem Strohriegel, 2) den sie ins eiskalte Wasser getaucht hatte, gehörig "azwogt", d.h. abgewaschen. Die Weißbruck stand daher auf weit und breit in üblem Rufe und jeder scheute den Weg dahin in der Dunkelheit. Eines schönen Tages hatte sich nun ein Hofgegner Bauer 3) am Viechtacher Ochsenmarkt zu lange verhalten und kam auf dem Heimwege in die Nacht. Bevor er aber von seiner "Einkehr", die alte Post, wegging, nahm er noch ein Weckl zu sich. "Für dö lang Angas!" 4) sagte er spöttisch. Als er bei der Weißbruck angelangt war, stand die lange Agnes leibhaftig vor ihm. "So iatzt hast da lang Angas a Weckl mitbracht!" schrie sie, fiel über ihn her und "zwogte" ihn so gründlich, daß er wie eine getaufte Maus am "Oahof" ankam. Michael Waltinger, Niederbayerische Sagen
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