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DIE ENTSTEHUNG DES LUSEN UND SEINER STEINKAPPE Im Bayerischen Walde wie im Böhmerwalde, lebten einstmals Riesen. Auf dem Reichenstein in Böhmen hatte einer derselben ein gar starkes und prächtiges Schloß. Er besaß aber auch ein reizendes Töchterlein. (Ich weiß nicht, ob man bei Riesentöchtern die Verkleinerungssilbe anwenden darf) Dasselbe ging nun einmal in den Waldungen seines Vaters spazieren. Mit Unwillen gewahrte es die vielen Steinblöcke und Felstrümmer, welche ganze Flächen bedeckten und es auf seinem Gange hinderten. Rasch entschlossen hob es seine Schürze auf und fing an, einen ganzen Berg von Felsstücken einzulesen. Es wollte dieselben aus dem Reiche seines Vaters fort und in das benachbarte Bayern tragen. Auf dem Wege rissen ihm aber die Schurzbänder und die Steine kollerten zu Boden. Das geschah hart über der Grenze bereits auf bayerischem Gebiete. Die Riesenmaid wollte die Schurzbänder wieder zusammenbinden; nun aber waren sie leider zu kurz und so mußte sie die Steine liegen lassen. "Was schadet es auch?" sprach sie. "Der Steinhaufen gibt gerade eine schöne Grenzmark." Daraus ward der Lusen. Michael Waltinger, Niederbayerische Sagen
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