DER BERG BEY BETTENAU IN NIEDERBAYERN

Bey Bettenau, sagte der erzähler, ist ein hoher berg. seitwärts kann man in den Berg durch eine in festem thonboden ausgearbeitete höle hineingehen und gelangt in eine kleine stube, von dem eck dieses kleinen gelasses zieht beinahe gerade abwärts ein in mergel ausgearbeitetes loch, und von da abwärts führt ein gang abwärts bis in das dorf Bettenau, wo er in dem schupfen des Bastelbauern seinen Ausgang hat. in diesen unterirdischen gängen wohnte ein erdmännl und ein erdweibl, klein, das männl mit einem grauen röckl bis an die kniebiege, das weibl liebte den bastlbauern, er aber achtete ihrer nicht. sie gab ihm einen grünen gürtel, und sagte ihm, er solle diesen seiner frau umbinden. der Bastlbauer traute nicht, und band den grünen gürtel um einen apfelbaum, welcher sogleich von dem gürtel ausgerissen wurde.

Einst fingen die dorfleute das kleine männl. als sie es hinwegführten, rief das weibl nach: "wenn du alles sagst, so sage nicht, warum die granwetbeeren ein weisses kreutz haben." drei tage war das kleine bergmännl eingesperrt, dann liess man es frei. früher verrichteten sie hausarbeiten, weil sie aber immer geplagt wurden, verliessen sie die hölen.

Friedrich Panzer, Beitrag zur deutschen Mythologie, München 1848, mündlich
Abschrift und Email-Zusendung von Mathias Pinzhoffer im März 2002