|
SAGEN.at >> Traditionelle Sagen >> Deutschland >> Bayern |
|
|
DAS OSSAFRÄULEIN Auf dem Ossa stand vor urdenklicher Zeit eine stolze Ritterburg. Darinnen hauste lange ein edles Geschlecht, das endlich bis auf zwei Fräulein ausstarb. Das eine der Fräulein war schön und hold, das andere bleich und blind. Die schöne Maid war aber auch stolz und geizig, die blinde hingegen die Herzensgüte selbst. Ihre Eltern hatten ihnen Schätze von unermeßlichem Werte hinterlassen. Eines Tages gingen die beiden Schwestern daran, ihren Reichtum zu teilen. Das schöne Fräulein nahm einen Metzen, füllte ihn bis zum Rande mit Gold und schüttete ihn in ihre Truhe. Dann wendete sie das Maß um, bedeckte mit wenig Goldstücken die äußere Bodenfläche und sagte zur blinden Schwester: "reiche deine Hand her und fühle, ob dein Metzen voll ist!" So betrog sie die Schwester um den größten Teil ihres väterlichen Erbes. Michael Waltinger, Niederbayerische Sagen
|