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Der Schatz im Leeberg

Früher soll ein unterirdischer Gang aus dem Benediktinerkloster Tegernsee unter dem Lärchenwald hinübergeführt haben bis tief hinein unter den Leeberg. Dort wurden in unruhigen und kriegerischen Zeiten die großen Schätze an Gold und Silber versteckt. Nur wenige Männer außer dem Abt wußten, wo der Schlüssel zum Eingang versteckt lag.

Aber einmal ist das kunstvolle Schloß zur innersten Schatzkammer zerbrochen. Ein Schlosser wurde geholt. Man führte ihn mit verbundenen Augen erst mehrmals im Klosterhof kreuz und quer herum und dann eine Stunde lang durch enge, kühle Gänge, die kein Ende nehmen wollten.

Als sie ihm die Augenbinde abnahmen, konnte er nicht genug staunen über all die Herrlichkeit, über das Gleißen und Funkeln in der Schatzkammer. Die Klosterbrüder aber trieben ihn zu schneller Arbeit an, und der Schaden war auch bald behoben.

Die Augenblende wurde ihm wieder angelegt und man führte ihn über Stufen auf und ab zum Ausgang mitten in einem dichten Bergwald. Aber die Mönche fürchteten, der Schlosser hätte sich doch den Eingang merken können.

Darum ließen sie ihn nicht mehr lebendig aus dem Berg. Seither steht er gebannt am Eingang zum Klosterschatz und hält Wache.

Zwei Holzhacker kamen eines Abends nach der Arbeit den steilen Wald des Leebergs herunter und wollten den Weg abschneiden. Da standen sie plötzlich unverhofft vor dem greisen und stummen Schatzwächter im altertümlichen Gewande, die Hellebarde in der Hand und die brennende Laterne vor der niederen Pforte. In ihrem ersten Schrecken haben sie sich die Stelle nicht gemerkt. Am nächsten Tag fanden sie nichts mehr von allem.

Quelle: Tegernseer Sagen aus dem Kulturraum der ehemaligen Benediktinerabtei Tegernsee (746 - 1803), Sepp Mohr, Hausham 1985