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Der Schatz im Gloggner See

Wieder war große Kriegsgefahr. Die Mönche von Tegernsee wollten ihren Geldschatz noch sicherer vor den Feinden verstecken, denn sie hatten den Verdacht, daß schon mehreren Leuten, als es gut war, ihr altes Versteck bekannt geworden ist. So fuhr damals spät abends zur Winterszeit ein Fuhrwerk aus dem Kloster Tegernsee nach Rottach und von da in Richtung Enterrottach weiter. Da hinten in den Höhlen der Bodenschneid oder des Schinders gab es genug unbekannte und bessere Schlupfwinkel.

Eine schwere Kiste, die mit einem Tuch zugedeckt war, stand auf dem Wagen. Die Fuhrknechte fuhren abseits der Straße, um von niemand gesehen zu werden. Da kamen sie zum Gloggner See bei Elmau. "Schneiden wir doch den Weg ab und fahren wir gleich über das dicke
Eis von diesem Weiher!" sagte der Fahrer zu seinem Begleiter. Mittendrin aber kracht es, Mann, Roß und Wagen verschwinden rettungslos in der Tiefe.

Nach Jahren sehen zwei Bauern aus Unterwallberg am Grund des Weihers etwas Metallenes blinken. Hastig holen sie von Zuhause Stangen, Ketten und Grieshaken. Es gelingt ihnen mit größter Kraftanstrengung tatsächlich eine schwere Truhe mit starken Eisenbändern beschlagen und einem großen Anhängschloß dran aus der Tiefe heraufzuziehen, fast bis an die Oberfläche. Aber der sumpfige Boden gibt nach, einer fällt. Der Haken des anderen rutscht an der glitschigen Kiste ab, mit dumpfem Gepolter verschwindet die Kiste endgültig im tiefen Wasser. Das liebliche Klirren der Goldstücke drinnen in der Truhe haben sie gerade noch hören können.

Mit Mühe retten sich die zwei Bauern auf das Land. Nie mehr hat man etwas gehört oder gesehen von der Goldkiste im Gloggner See. Nur Molche, Wassernattern, Blutegel und Frösche schwimmen drin herum.

Quelle: Tegernseer Sagen aus dem Kulturraum der ehemaligen Benediktinerabtei Tegernsee (746 - 1803), Sepp Mohr, Hausham 1985