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Die Prälatenfahrt um den Misthaufen

Der Tegernseer Abt und sein Klosterrichter waren wieder einmal mit dem Fuhrwerk in der Holzkirchener Gegend, um bei den Untertanen Zehent und Güten einzutreiben. Gerade die Bauern von Sufferloh, das schon lange eine Freiung und somit von der Abgabe des Kälberzehents befreit war, sollte von dem neuen Klostervogt neuerdings dazu verpflichtet werden. Der Streit und Handel zog sich so in die Länge, daß es schon finstere Nacht war, als man die Heimfahrt antrat. Der Klosterknecht kam mit dem Fuhrwerk von der Straße ab und hinein in das Stumbeckfeld.

Da stand ein großer Dunghaufen. Weil es gar nicht recht vorwärts ging, schlug der Fahrer mit der Peitsche auf die Pferde ein. Die liefen nun schnaubend dahin, daß ihre Mäuler schäumten und ihr Fell dampfte. Stunde um Stunde verging, aber das Kloster Tegernsee kam noch nicht in Sicht. Der Abt schimpfte: "Ich glaube, jetzt müßten wir schon bald in Kreuth hinten sein oder gar in der Glashütten." Als endlich das Morgengrauen heraufzog, da hörten sie ganz nahe die Holzkirchener Glocken zum Gebet läuten.

Sie waren die ganze Nacht um den großen Misthaufen herumgefahren. Ob nicht die "guten" Wünsche der Untertanen daran schuld waren?

Quelle: Tegernseer Sagen aus dem Kulturraum der ehemaligen Benediktinerabtei Tegernsee (746 - 1803), Sepp Mohr, Hausham 1985