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Ochsendieb und Beutelschneider

Ein böser Mensch hatte seinem Gevatter einen Ochsen gestohlen, was aber noch gar nicht an's Licht gekommen. Nicht lange danach kamen die beiden nach Tegernsee, da der Gevatter hier beten wollte. Der Dieb schnitt nun heimlich dem Gevatter den Geldbeutel ab (den man damals an einem Lederriemen sichtbar um den Leib trug). 30 silberne Pfennige waren drin. Der Dieb meinte, es werde diese zweite Bosheit so unbemerkt bleiben wie die erste.

Wer sah es aber doch? St.Quirin hat es gesehen und den Schuldigen offenbar gemacht, in der Kirche behalten und in derselben hin und her laufen lassen, ohne daß er mehr den Ausweg fand, bis er selbst öffentlich und voll Reue seine beiden Verbrechen bekannte und gutzumachen versprach. Man suchte den Gevatter, der seinen Beutel zurückbekam und unter den zwölf Ochsen des anderen den schönsten heraussuchen durfte. Und da sie also einig wurden, ging der Dieb ohne Behinderung aus der Kirche. St. Quirin muß man loben!

(Nach einer alten Aufzeichnung von 1492)

Quelle: Tegernseer Sagen aus dem Kulturraum der ehemaligen Benediktinerabtei Tegernsee (746 - 1803), Sepp Mohr, Hausham 1985