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Das Moosweiblein vom Lettenweiher
Tegernsee war bis zur Stadterhebung im Jahr 1954 ein Dorf mit Marktberechtigung.
An drei Sonntagen im Jahr war damals auf der Hauptstraße Marktbetrieb,
vom Schloßplatz bis hinunter zum Gasthof zur Alten Post standen
die Buden der Verkäufer und Schausteller. Von weither kam das Landvolk
zusammen, besonders die jungen Burschen und Mädeln, die auch gern
auf die lustige Tanzmusi gingen, droben im Postsaal.
Heute wird der Tegernseer Markt in der Rosenstraße abgehalten.
Es war ein weiter Heimweg, den der Kupferschmied Weber von Tölz mit
seiner Tochter vom Tegernseer Markt im September bei einbrechender Dunkelheit
zurückzulegen hatte. Gut, daß sie der Sohn vom Altwirt in Waakirchen
den längsten Teil des Weges auf seinem Gäuwagl mitgenommen hat.
Kurz vor der Stadt Tölz stand damals noch das Lettenholz rechter
Hand und bald danach kommt links ein sumpfiger Weiher, der Lettenweiher
genannt. Flache Nebelstreifen lagen darüber, und den müden Wanderern
kam es recht unheimlich vor, bei dem fahlen Mondlicht. Der treue Hund,
der sie begleitet hatte und bisher lustig herumgesprungen war, fing an,
erbärmlich zu winseln und ging den beiden nicht mehr weg von den
Füßen.
Da sagte die Tochter zum Vater: "Da schau hin zum Lettenweiher! Da
steht ja ein Weibsbild drin, bis zum Bauch geht ihr's Wasser rauf! Und
an Strohhut hat's auf'm Kopf, und in der Hand hat's an Rechen!" Der
Kupferschmied hat's auch gesehen und sagt zu dem verängstigten Madl:"Geh
weiter und schau beileib net um!"
Es war ein Moosweiblein.
Quelle: Tegernseer Sagen aus dem Kulturraum der
ehemaligen Benediktinerabtei Tegernsee (746 - 1803), Sepp Mohr, Hausham
1985
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