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Der Lampl von Reichersbeuern
Da sind ihrer 3 oder 4 Jaager beinander gsessen z' Kreuth in der Wirtschaft
an ihrem Stammtisch beim Ofen hiebei. Hübsch zwider schauns drein
und reden tun sie gar nicht viel. War ja kein Wunder, wo der Sollacher
heut den frischen Aufbruch von einem Gambs g'funden hat am Pletscherer
Graben, jetzt in der Schonzeit noch dazu! "Der Lump, der ganz schlechte!"
hörte man einen ausrufen. "Wer ist da ein Lump ?" schreit
jetzt einer vom Burschentisch her.
"Z'erst muß ma'n g'sehgn hab'n und kennen, dann kann ma' von
ihm red'n. Aber zum Fangen is no' weit hin!" So kam's nach von einem
verwegen und finster aussehenden Loder, der da hinten im Eck sitzt. Jetzt
steht er auf, kommt langsam her zum Jaagertisch. Seinen verwetterten alten
Stopselhut hat er runtergetan: da ist der schönste Gamsbart drauf,
wie man weitum im ganzen Oberland noch keinen gesehen hat.
Den streicht er jetzt dem alten Oberförster vor ihm ein paar Mal
um dessen Nase rum und sagt recht spöttisch und freundlich: "Jaaga,
kennst dös Kräutl ? Gel, dös wachst in enkerm Garten!"
und verschwindet.
"Das war kein anderer als der Lampl von Reichersbeuern," sagt
jetzt der junge Jagdg'hilf."Der hat auch den schönen Zwölferhirsch
g'schossen droben am Saurüsselkopf. Aber der schlaue Fuchs ist uns
bis jetzt alleweil wieder auskommen. Ich hab koa' Rast und koa' Ruah,
bis er net mei'ghört und net rausschaugt aus'm Gitter im G'fängnis
vom Tegernseer Landg'richt."
Aber bald darauf war es fast so weit. Den Jägern wurde Botschaft
getan, daß der Lampl grad den steilen Waldsteig zum Leonhardstein
hinaufgestiegen ist. Da umstellten sie den ganzen Berg und stiegen
langsam vorsichtig höher. Für die Süd- und Ostseite brauchten
sie keinen Mann aufzustellen, weil da die nackte Felsenwand fast senkrecht
und oft überhängend aufsteigt und der Wilderer dort nicht auskommen
konnte.
Jetzt merkte es auch der Lampl, daß es für ihn keinen Ausweg
mehr gab. Aber sich fangen lassen von den Grünen, das gab es für
ihn nicht! So sprang er über die schauerliche Südwand des Leonhardstein
hinab. Er hatte sich zuerst von oben den höchsten Tannenbaum ausgesucht,
war in seinen Gipfel gesprungen und ließ sich d'ran herunter.
Für die Jäger droben auf dem Gipfel war der Lampl jetzt maustot.
Wenn er auch ihr verhaßter Feind war, so nahmen sie nun alle ihre
Hüte ab und beteten laut: "O Herr, gib ihm die ewige Ruhe!"
Da schrie von weit unten eine Stimme herauf: "Na, den G'falln tut
er enk no net!" Sie hörten noch einen Juhschrei drunt im Wald,
gesehen haben sie nie mehr etwas vom Wildschütz Lampl. - Manche Leute
meinen, daß es der Teufel gewesen ist.
Der Lampl soll darauf über Stock und Stein ausdurch über alle
Berge heimgerannt sein nach Reichersbeuern. Dort hat er schnell sein rußiges
Gesicht abgewaschen und sein Stallgewand angezogen. Als die Jaager von
Kreuth endlich in großer Eile ein Zweispännerfuhrwerk besorgt
und eingespannt hatten, dann mit einem Gerichtsherrn aus Tegernsee um
den ganzen See durch Gmund in Reichersbeuern angefahren kamen, da stand
der schlaue Fuchs leibhaftig mit der Gabel auf dem Misthaufen und legte
grad in aller Ruhe ein Fuder Mist auf.
Quelle: Tegernseer Sagen
aus dem Kulturraum der ehemaligen Benediktinerabtei Tegernsee (746 - 1803),
Sepp Mohr, Hausham 1985
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