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Von der Gründung des Klosters Tegernsee

Am Hofe des Königs Pippin im Frankenreich lebten zwei fürstliche Brüder aus burgundischem Geschlecht. Ihre Mutter stammte aus dem ältesten bajuwarischen Herzogsgeschlecht, dem der Agilolfinger, die vom König Karl d. Gr. im Jahr 788 mit der Absetzung des Herzogs Tassilo entthront wurden. Die wohl mächtigste Seitenlinie der Agilolfinger war die Sippe der Huosi. Der sogenannte Huosigau im südwestlichen Bayern war ihr zu eigen.

Die Sage berichtet, daß der Sohn des Frankenkönigs Pippin(714-768) den Sohn Otkars beim Spiel im Jähzorn mit dem Schachbrett erschlug. Pippin fürchtete die Rache der mächtigen und in Bayern und Burgund reich begüterten fürstlichen Brüder. Vorerst war die schreckliche Bluttat weder im Königshof noch Otkar, dem Vater, bekannt geworden. So rief der König seine Großen, darunter auch Otkar, zusammen und fragte sie mit weiser List: "Was ist eure Meinung: Wie soll man einem Übel begegnen, dem man in keinem Fall abhelfen kann?" Alle, auch Otkar sagten: "Ein solches Übel muß man mit Gleichmut ertragen."

Jetzt erst berichtete Pippin den traurigen Vorfall. Der unglückliche Vater schwieg in Schmerz und Trauer. Er wollte mit seinem Bruder Adalbert nun für immer der Welt entsagen. Auf einem großen Tafelbild in der Egerner Kirche ist der Vorgang mit den schachspielenden Fürstensöhnen lange zu sehen gewesen.

Otkar und Adalbert gründeten im bayerischen Sundgau ein Kloster am tegarin-seo - d. h. Großer See, so war sein althochdeutscher Name bis zum Jahr 1000-an der sonnigsten und schönsten Uferstelle, wohl
im Jahr 746, vielleicht erst um 760. Die fürstlichen Gründer übertrugen dem Kloster Tegernsee ihre reichen Besitztümer, die bis weit hinaus ins Unterland bis über den Ammersee reichten und den Grundstock für den großen Landbesitz des Stiftes bildeten. Beide Brüder traten selber in das Kloster als Mönche ein, Adalbert wurde der erste Abt von Tegernsee. Aus St. Gallen wurden die ersten Klosterbrüder, die nach der Regel des hl. Benediktus lebten, berufen.

Um für die neuzuerbauende Klosterkirche die Reliquien eines großen Heiligen zu erlangen, pilgerten sie 756 nach Rom. Die ewige Stadt wurde bei ihrer Ankunft gerade von heidnischen Seeräubern bedroht. Noch einmal griffen die Brüder mit ihren schwerbewaffneten Begleitern zum ritterlichen Kriegshandwerk. Sie halfen den Römern tatkräftig und besiegten die Seeräuber.

Der Papst versprach den Brüdern die Gebeine des hl. Quirinus, eines römischen Kaisersohnes, der in früheren Jahrhunderten wegen seines Glaubens den Märtyrertod durch das Schwert erlitten hatte. Erst Uto, der Schwestersohn der Brüder, durfte dann die vom römischen Volk hochverehrten Reliquien heimlich abholen und über die Alpen bringen.

In der letzten Nacht vor der feierlichen Übertragung der Gebeine nach Tegernsee machte Uto auf dem Platz der heutigen Kapelle von St. Quirin ein letztes Mal Halt. Wo der Leib des Heiligen geruht hatte, entsprang zum Segen des ganzen Tales die heilkräftige Quirinusquelle.

Das uralte, schöne Wappen von Tegernsee hat neben 2 Seeblättern auch 3 Kronen. Diese weisen wohl hin auf die zwei fürstlichen Gründer und auf den römischen Kaisersohn St. Quirinus.

Quelle: Tegernseer Sagen aus dem Kulturraum der ehemaligen Benediktinerabtei Tegernsee (746 - 1803), Sepp Mohr, Hausham 1985