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Der Goldhaufen im Leeberg

Es muß schon recht viel zusammengekommen sein an Geld und Gut im Kloster Tegernsee, wenn 12000 große und kleinere Bauernhöfe alljährlich den zehnten Teil all ihrer Erträgnisse als Zins und Zehent abliefern mußten.

Ein Gmunder Kleingütler hatte aber diesmal gar nichts zum Hergeben, seine zwei Kühe hat er durch eine schlimme Viehseuche eingebüßt. Da verlangte der strenge Klostervogt von ihm, daß er seine Schuldigkeit durch Frondienst ableisten solle. Eine Woche lang mußte er nun im Hofraum vor den Stallungen, die im Westteil der Klosteranlage gegen den See hinaus lagen, die großen Heuhaufen zu Gsott, das heißt zu Häcksel, kleinschneiden.

Am Samstag kam nun der Abt selber und schaute sich die Arbeit an. Es war ein Mordshaufen geworden und der Bauer sagte voll Stolz zu ihm: " Gel, so was Großes hast du noch nie in deinem Leben gesehen !" Da sagte der Klosterherr zu ihm: " Geh mit mir, ich zeige dir auch was!"

Der Abt band ihm die Augen zu und führte ihn durch den unterirdischen Gang weit fort, unter den Leeberg. Der Gmunder Bauer hörte Schlüssel klirren und es wurde ihm die Binde abgenommen. Er stand in einem steinernen Saal vor einem riesigen Haufen von Gold und Silber. "Gel, so was Großes hast du auch noch nicht gesehen!" sagte jetzt der Abt und hat freundlich gelacht. "Weil du so fleißig gearbeitet hast bei mir, darfst du dir jetzt so viele Goldstücke in deine Hosentaschen hineinstecken als hineingehen". Mit verbundenen Augen brachte er ihn wieder in den Klosterhof zurück.

Quelle: Tegernseer Sagen aus dem Kulturraum der ehemaligen Benediktinerabtei Tegernsee (746 - 1803), Sepp Mohr, Hausham 1985