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Die drei Fräulein und der Gasteigpudel

In den 12 Losnächten mitten im Winter erscheint im Keller des Reichersbeuerer Schlosses, da, wo früher ein geheimes Gericht gehalten wurde, ein fahler Lichtschein. Wer sich dort hineintraut, kann sehen, wie die drei Jungfrauen auf eisernen Truhen sitzen und ihren Schatz hüten.

In lauen Sommernächten kann es vorkommen, daß der Schloßhund dort sein Unwesen treibt, wo früher die alte Landstraße von Reichersbeuern steil abfiel in die Bachmulde und wieder auf der anderen Seite gegen Greiling stark anstieg. Heute ist diese Senke hoch aufgefüllt durch einen Straßendamm. Weil er hier am Gasteig (= gacher oder jäher Steig) auftritt, heißt er im Volksmund auch Gaster- oder Gaschteigpudel. Dieses hinterlistige Hundsvieh hat es auf späte Heimgeher, die vom Wirtshaus oder von nächtlichen Besuchen kamen, ganz besonders abgesehen, indem es sie unversehens von hinten angesprungen und umgeworfen hat.

Aber drunten am Wiesenbach bei der Bachkapelle standen die drei Schloßfräulein, die man auch die saligen (= seligen) Jungfrauen genannt hat. Unter betörenden Gesängen und von Irrlichtern gespenstisch beleuchtet haben sie ihre Wäsche gewaschen. Dann hängen sie's am Bach entlang auf, daß sie im Mondschein trocknen kann.

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Manche glauben, die drei saligen Fräulein, die in christlicher Zeit auch Einbet, Warbet und Wilbet geheißen haben, seien nichts anderes gewesen als die altgermanischen Nornen.

Quelle: Tegernseer Sagen aus dem Kulturraum der ehemaligen Benediktinerabtei Tegernsee (746 - 1803), Sepp Mohr, Hausham 1985