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Die Wilde Jagd

In den 12 Los- oder Rauhnächten um Weihnachten und Dreikönig herum ist früher nicht selten ein recht ungutes Gespenst auch über unser Tal hinweggebraust, das sogenannte Wilde Gejaid, im Oberland auch Nachtgjura genannt. Es war ein wildes Geisterheer, zusammengesetzt aus allen möglichen Tier- und Spukgestalten. Sie sausten meist niedrig dahin über freie Flächen, Wege und Gebirgsübergänge und bedrängten einsame Wanderer. Gerade die Waizen droben am Wechsel, dann auch der Hirschtalsattel und das Kreuther Tal sowie die Umgebung des Bauern in der Au galten als besonders gefährdet.

Wenn man das wilde Sausen hörte, da half nichts als stehen bleiben und Hände und Füße übers Kreuz legen, dann brauste die Wilde Jagd über einen hinweg. Manche Leute trugen geweihte Kreuze oder Amulette auf der Brust mit. Sonst konnte es sein, daß dieses heidnische Gespenst einen vom Erdboden aufhob, hoch in die Luft mitnahm und schließlich an einsamen und gefährlichen Stellen absetzte.

Quelle: Tegernseer Sagen aus dem Kulturraum der ehemaligen Benediktinerabtei Tegernsee (746 - 1803), Sepp Mohr, Hausham 1985