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Der verhängnisvolle Schuß in der
Langenau
Wer von Dorf Kreuth aus den Guffert oder einen der beiden Schinder besteigen
will, muß zuerst den langen Weg durch die Langenau machen. An die
2 ½ Stunden zieht sich das einsame Ost-West-Tal immer nahe der
Landesgrenze gegen Tirol hin bis zum Bayeralpl (hier "Boaraiwi"
gesprochen, nach dem der herrliche Jodler benannt ist). Wegen ihres Wildreichtums
ist die Langenau auch heute noch bekannt, zur Wildfütterung im Winter
kommen die prächtigsten Hirsche vom Berg herunter.
Schon zu Klosterzeiten muß dieses Tal ein geschätztes Jagdrevier
gewesen sein. So berichtet die Sage von einem recht traurigen Jagdunfall,
der sich dort auf halbem Weg zwischen Kreuth und Bayeralpl ereignet hat.
Der Abt vom Tegernsee wollte hier einen starken Hirsch schießen,
den ihm die Klosterjäger ausgekundschaftet und gemeldet hatten.
Ein paar kräftige, junge Klosterbrüder sind auch mitgekommen,
um das edle Stück Wild dem Schützen langsam entgegen zu treiben.
Der sah nun, wie sich hinter dichten Tannenboschen etwas Dunkles rührte
und wieder stehenblieb. "Diesmal gehört er mir, der prächtige
Zwölferhirsch," dachte der feudale Prälat, "wenn ich
auf das dunkle Fleckerl da hinter den Stauden hinhalte, muß es ein
Blattschuß werden."
Der Schuß aus dem schweren Vorderlader krachte in das friedliche
Gebirgstal. Aber als sich das vielfache Echo verrollt hatte, vernahm man
die verzweifelten Schreie eines Menschen. Der junge Klosterbruder wälzte
sich sterbend auf dem Waldboden in seinem Blut. Was half da alles Wehklagen
und alle Selbstanklage des unglücklichen Jagdherren. Was nutzte es
dem armen Opfer des Leichtsinns, daß schon bald darnach zum frommen
Gedächtnis und zur Sühne vom Tegernseer Abt ein schlichtes Holzkreuz
am Fahrweg aufgestellt wurde ? Am Jahrtag gingen alle Klosterbrüder
zu dem Kreuz und beteten für die Seele des Verunglückten. Auf
einmal fuhr aus heiterem Himmel ein Blitz herunter und schlug in das Kreuz,
daß es ganz schwarz wurde. Seitdem heißt es das "Schwarze
Kreuz."
Quelle: Tegernseer Sagen aus dem Kulturraum der
ehemaligen Benediktinerabtei Tegernsee (746 - 1803), Sepp Mohr, Hausham
1985
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