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Die Schweden in Obernburg

Im Dreißigjährigen Kriege kamen die Schweden auch vor die Stadt Obernburg und forderten Einlass. Durch kluge Verhandlungen ließ sich jedoch der Feind bewegen weiter zuziehen, falls ihm eine größere Geldsumme entrichtet würde. Die Menge der schwedischen Truppen lagerte etwas von der Stadt entfernt, während sich der General mit seinen Offizieren vor dem Tore unter einer Linde niedergelassen hatte. Da geschieht etwas Unerwartetes. Im schwedischen Lager knallt plötzlich ein Schuss. Der Schwedengeneral sitzt mit den Offizieren gerade beim üppigen Mahle, das ihm die Stadt bezahlt, und ist guter Laune.

Die Bürgerwehr horcht überrascht auf, als aus dem Heerlager der Schuss fällt, und ein Schütze eilt auf die Mauer, denkt an Verrat und meint, der Schwede will die Feindseligkeiten eröffnen. Der Bürgersmann nimmt die Flinte hoch und sagt sich: so nehme ich gleich den General aufs Korn, und legt auf diesen an. Zum Glück befindet sich der Ratsschöffe Karch in der Nähe. Der springt hinzu, und noch ehe der andere losdrückt, kann jener das Feuerrohr auf die Seite wenden und den Schuss verhindern.

Der General forschte nach, weshalb bei seinen Leuten der Schuss gefallen war. Und als sich herausstellte, dass Unvorsichtigkeit die Schuld trug, ließ er dem betreffenden Schweden zwanzig Stockhiebe aufzählen. Wehe der Stadt, wenn der zweite Schuss gefallen wäre! So aber zogen die Schweden mainabwärts, gegen Aschaffenburg.

Noch lange Zeit sprachen die Obernburger von dem wackeren Mitbürger Karch, und bis heute hält man sein Andenken in Ehren.

Quelle: Spessart-Sagen, Valentin Pfeifer, Aschaffenburg 1948, S. 86f