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Die Sankt-Markus-Kapelle Wer von Hasloch das enge, frische Wiesental des Hesselbaches hinaufwandert,
erblickt, etwa eine Dreiviertelstunde von Hasloch entfernt, an dem Fuße
eines Berges die Sankt-Markus-Kapelle. Die Stille der romantischen Landschaft,
nur von dem Murmeln der nahen Quelle und dem Pochen des unfern gelegenen
Hammerwerks unterbrochen, lädt zur Andacht ein, aber die Kapelle
liegt in Trümmern, und das Brustbild des heiligen Markus, welches
die Kapelle geschmückt hatte, steht vor der Pfarrkirche zu Unterwittbach
in einer Nische. Die Kapelle verdankte ihre Entstehung dem Wertheimer
Grafen Johann mit dem Barte. Der war ein solch leidenschaftlicher Jäger,
dass er selbst sonntags dem Wild nachspürte. Ja, sogar an einem heiligen
Osterfeste scheute er sich nicht, durch den Forst zu lärmen. Da sprang
vor ihm ein weißer Hirsch auf und lockte ihn immer weiter und tiefer
in den Wald. Der Graf war so von Kräften, dass er nicht mehr weiterkonnte
und zur Erde niedersank. Er war dem Verschmachten nahe. Da gedachte er
seiner frommen Hausfrau, die ihn so oft flehentlich vor dem Übermaße
der Jagdlust gewarnt hatte. Und wie tiefe Reue in ihm erwachte, hörte
er auf einmal neben sich ein Brünnlein rauschen. Als er, gelabt und
gestärkt, hernach weiter schritt, schallte ein Glöcklein vor
ihm her, bis ihn der fromme Klang wieder auf seine Burg heimführte.
Zum Dank für die wunderbare Errettung baute der Graf an der Stelle,
wo die Quelle hervorsprang, eine kleine Kapelle, die er dem heiligen Markus
widmete. Quelle: Spessart-Sagen,
Valentin Pfeifer, Aschaffenburg 1948, S. 165 |