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Die "Russenlücke" im Hafenlohrer Wald Während eines Krieges, wahrscheinlich zur Zeit Napoleons, kam ein Haufen russischer Soldaten ins Land am Main und blieb eine Zeitlang in Hafenlohr rasten. Es geschah, dass die Russen einem armen Mann die letzte Kuh wegführten. Als er dagegen Widerstand leisten wollte, nahmen sie ihm die Kuh erst recht weg und verlangten hohes Bußgeld von ihm. Ja, sie drohten das Dorf niederzubrennen, wenn ihnen nicht rasch hohe "Rüg" gezahlt werde. Die Hafenlohrer, ohnmächtig und schon von vielen Kriegsfahrern ausgeplündert, wussten in ihrer Bedrängnis nicht aus noch ein. Das Schicksal des Dorfes schien so gut wie besiegelt. Da fand einer noch guten Rat. Er schlug vor, im Gemeindewald Holz zu fällen, es zu verkaufen und mit dem Erlös die verlangte Rüg zu bezahlen. Die gequälten Leute waren froh über diesen Ausweg und befolgten den Rat. Als die Russen abzogen, klaffte im Hafenlohrer Wald auf dem Trautberg eine weite, trostlose Lücke. Später wurde die lichte Stelle am Wald wieder mit jungen Baumpflanzen
bebaut. Harte Bauernhände haben sie viele Jahre hindurch gehegt und
gepflegt. Heute rauscht der Wind wieder durch Kronen und Geäst mächtiger
Bäume - dort drüben in der "Russenlücke". Quelle: Spessart-Sagen,
Valentin Pfeifer, Aschaffenburg 1948, S. 155f |