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Der Ritter von Partenstein

Zur Zeit des Faustrechtes wohnte auf der Burg Partenstein der Ritter Rolf. Er vertrieb sich den Tag mit der Jagd im weiten Forst, und abends schwang er im Kreise von Zechkumpanen den Humpen Wein.

Beim Streifen durch die Wälder begegnete ihm einst die Tochter des Waldhüters, und weil sie ihm gefiel, schmeichelte er ihr mit schönen Worten, und schließlich betörte er sie und tat ihr Schande an. Der Jammer des Mädchens ließ ihn kalt, und er höhnte und verlachte es noch, so dass es aus Verzweiflung den Tod suchte. Von jetzt an trieb Ritter Rolf das Jagen noch wilder und toller als bisher, und auch dem Trunke ergab er sich immer mehr. Zuletzt sank er zum Schnapphahn und Wegelagerer herab. Er versteckte sich mit seinen Leuten in den Lohrer Waldungen, überfiel die vorbeiziehenden Kaufleute und beraubte sie. Mancher Reisende musste im finsteren Burgturm schmachten, ehe er sich durch hohes Lösegeld befreien konnte.

Der Graf von Rieneck warnte als Lehensherr den entarteten Rittersmann; allein der kümmerte sich nicht darum und plünderte weiter. Da sagte ihm der Graf die Fehde an. Er umstellte mit seinen Reisigen die Burg, drang nach längerer Belagerung in dieselbe ein und ließ die Besatzung niederhauen. Rolf schlug in wilder Tapferkeit um sich, musste aber vor der Übermacht auf den Söller zurückweichen und sprang, als es kein Entrinnen mehr gab, mit voller Rüstung in den Abgrund und zerschmetterte. Die Burg wurde vollständig zerstört.

Etliche Leute behaupteten später, sie hätten den so elend umgekommenen Raubritter in Vollmondnächten auf den Trümmern der Burg sitzen sehen. Andere erzählten, sie hätten gehört, wie er fluchte und lästerte, und Ängstliche meiden in weitem Bogen den Platz, an welchem die Burg gestanden war.

Quelle: Spessart-Sagen, Valentin Pfeifer, Aschaffenburg 1948, S. 178f