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Der Klosterschatz im Breitenstein

Im 30jährigen Krieg war die allgemeine Unsicherheit so groß, dass man wertvolle Sachen versteckte und vergrub.

So brachten die Benediktiner des Klosters Neustadt am Main ihre kostbaren Kirchengefäße wie Kelche und Monstranzen u. a. in den Klosterwald, und zwar da hin, wo die Waldabteilungen Hundshütte und Breitenstein aneinander stoßen. Dort musste ein Maurer ein unterirdisches Gewölbe errichten, und damit er nicht ausplaudern konnte, wo es war, wurde er mit verbundenen Augen an die betreffende Stelle geführt und nach vollendeter Arbeit mit verbundenen Augen wieder heim.

Nun soll im Waldrevier "Breitenstein" der Gold- und Silberschatz immer noch liegen. Ein Mann, der mit einem Erdspiegel im Lande umherreiste, habe, wie sich die Leute erzählen, mit dem zauberhaften Spiegel den Schatz etwa fünf Meter tief unter der Erde gesehen. Aber alle Versuche, ihn zu finden und zu heben, blieben bisher erfolglos. Schon oft erblickten Holzfäller beim Ausgraben von Baumstöcken einen großen viereckigen Stein, auf welchem sogar lateinische Buchstaben sichtbar waren, so dass man vermutete, dass unter dem Stein die Schätze lägen. Aber sobald die Holzhauer mit anderen davon redeten oder später wieder in den Wald gingen, um den Stein zu suchen, fanden sie ihn nicht mehr. Einst ging ein fremder Insektensammler durch den Klosterwald. Auf einmal bemerkte er einen glänzenden Gegenstand auf dem Boden. Als er den aufhob, war's eine Goldborte, so, wie man sie an den Messgewändern sieht. Er nahm sie an sich und zeigte sie mehreren in der Nähe wohnenden Förstern, die sogleich Nachgrabungen an jenem Platze anstellen wollten, wo sie gefunden wurde. Aber sie konnten die Stelle einfach nicht mehr finden, sie mochten suchen und spähen, wie sie wollten. Die Goldborte hat der Insektensammler in Würzburg verkauft - aber die Hebung des Kirchenschatzes ist bis heute noch nicht gelungen.

Quelle: Spessart-Sagen, Valentin Pfeifer, Aschaffenburg 1948, S. 182f