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Kaiser Heinrich im Spessart

An Stelle der Heinrichsmühle, zwischen Kredenbadi und dem Forsthaus Hubertus, war einst ein Hüttlein gestanden, in dem einmal ein Fürst Zuflucht gesucht hatte. Das war der Kaiser Heinrich. Er floh vor seinen Verfolgern durch den dichten Spessartwald und kam zu der einsamen Hütte am Heinrichsbach. Drinnen im engen Stübchen saßen zwei alte Leute, ein Man"" und seine Frau. Der Flüchtige bat: "Schnell, wo ist jemand, der mich übers Gebirg führt? Ich werde verfolgt und weiß nicht aus noch ein." "Den Weg kennt nur unser Sohn", erwiderte der Alte, "aber der hat heute Hochzeit gehabt und wird sich diesen Abend schwerlich von seinem jungen Weibe trennen." - Allein der Kaiser bat immer dringender. Wenn man ihn fände, sagte er, wär's um sein Leben geschehen. Da erklärte sich der Sohn schließlich bereit, den Kaiser zu führen. Und er schritt mit ihm in der kalten Wetternacht bergauf und -ab auf heimlichen Pfaden durch die Wälder. Es gelang ihm auch, den Fürsten in Sicherheit zu bringen und ihm so Leben und Krone zu retten.

Die Zeit ging dahin, und jener Mann, der am Hochzeitsabend seine Braut verließ, um den verirrten Kaiser zu retten, hatte bereits wieder einen vierzehnjährigen Sohn. Der ward an den kaiserlichen Hof gerufen und dort erzogen. Hier diente er seinem Herrn mit großer Treue, stieg immer höher in des Fürsten Gunst, bis ihm sogar die Grafenwürde verliehen wurde.

Und der Sohn des Spessarts wurde der Ahnherr eines Grafengeschlechtes, das sich stets durch besondere Treue hervortat.

Quelle: Spessart-Sagen, Valentin Pfeifer, Aschaffenburg 1948, S. 156