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Das Irrlicht

Eine Frau aus Oberkrombach ging nachts von Schöllkrippen heim. Sie hatte dort vorteilhaft eingekauft, hatte dann noch ein paar Gläschen Wein genossen und war nun in besonders guter Laune, als sie gegen Krombach schritt. Sie kam dabei an einem "Hellchen" vorüber. Es war freilich schon dunkel; doch die Frau kannte den Weg fast blindlings und wusste auch, dass sie jetzt an einem Bildstock (Hellchen!) vorüberging. Trotzdem fragte sie in ihrem weinseligen Übermut zum Hellchen hin: "Was ist denn das für ein Ding?" Sie hat's kaum ausgesagt, kommt etwas, das aussieht wie ein Papier, aus dem Walde geschwebt, entzündet sich im Fliegen und schwebt und züngelt im Zickzack, bald neben, bald vor der Frau her, und die kommt vom Weg ab und irrt ziellos über Wiese und Feld. In ihrer Angst ruft sie endlich: "O Gott, wo bin ich eigentlich?" Und im Nu erlischt das Flämmchen, die Frau erkennt trotz der Dunkelheit die Gegend wieder, findet auch wieder den richtigen Weg und kommt ohne weiteren Schaden nach Hause.

Quelle: Spessart-Sagen, Valentin Pfeifer, Aschaffenburg 1948, S. 81