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Der Hoimann

Die Gemeinden Steinfeld und Sendelbach stritten um ein Stück Wald, das an der Grenze der beiden Markungen lag, und jedes Dorf beanspruchte den Waldstreifen für sich. Der gehörte nach Recht und Herkommen eigentlich zu Sendelbach; aber hier war keiner, der es genau wusste und beschwören konnte. Dagegen wollte der alte Hirte von Steinfeld wissen, dass das betreffende Waldstück von jeher im Besitz seiner Gemeinde gewesen wäre. Er sagte es aber nur, um den Wald für Steinbach zu gewinnen, und er war frevlerweise dazu bereit, den Eid zu leisten. Er tat Erde vom Steinfelder Waldboden in seine Schuhe und verbarg im Hute einen Schöpflöffel; "Schöpfer" heißt der im dortigen Volksmund. Nun begab sich der Hirte mit den Feldgeschworenen der zwei Gemeinden an das Waldstück, um das man sich stritt, setzte den Hut mit dem "Schöpfer" auf und schwur alsdann: "So wahr der Schöpfer über mir ist, so wahr stehe ich auf Steinfelder Boden." Darauf kam die betreffende Waldabteilung zur Steinfelder Gemarkung. Als der Hirte, der den Falscheid geschworen hatte, gestorben war, ging bei jenem Waldstreifen ein gespenstischer Mann um und erschreckte die Vorübergehenden mit dem Rufe: "Hoi, hoi", weshalb man ihn den Hoimann nannte. Und einer der Grenzsteine dort heißt noch heute der "Hoimannstein".

Quelle: Spessart-Sagen, Valentin Pfeifer, Aschaffenburg 1948, S. 177