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Belohnte Guttat

Ein Hofbauer vom Weiler Berndiel hatte im Schippachtal (bei Miltenberg) eine mächtige Eiche stehen, die wollte er eines Tages fällen, und er hatte schon die Axt dazu geschärft und im Schuppen bereitgelegt. Nun kam in der Nacht ein feuriger Mann vom Walde ans Haus heran, setzte sich auf den Fensterstein und bat den Bauern, die Eiche unversehrt zu lassen, weil sie dem feurigen Mann und seinen Genossen als Sitz diene. Der Lohn dafür solle nicht ausbleiben. "Ich möchte wissen, wie mich ein feuriger Mann belohnen könnte?" dachte der Berndieler, ließ aber die Axt doch vom Eichbaume.

Einige Tage später fuhr der Bauer in stockdunkler Nacht von Miltenberg heimwärts. Er schlief auf dem Wagen ein, und seine Pferde, die er erst vor kurzem teuer gekauft hatte, waren mit dem Weg noch nicht vertraut, verirrten sich, liefen quer übers Feld, und das Gespann geriet in der Nähe des Weilers Berndiel an einen Steinbruch. Noch ein paar Schritte weiter - und der Wagen samt dem Bauern wäre in die Tiefe gestürzt. Doch da stand plötzlich der feurige Mann da, hielt die Pferde auf und weckte den Bauern. Der rieb sich die schlaftrunkenen Augen, während der Feurige den Wagen vom Abgrunde weg auf den Weg lenkte.

Erst jetzt erkannte der Bauer die Gefahr, die ihm gedroht hatte, und er dankte dem feurigen Gesell für die Rettung. Der Feuermann verschwand daraufhin lautlos im Buschwald.

Quelle: Spessart-Sagen, Valentin Pfeifer, Aschaffenburg 1948, S. 145f