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Die Gertraudisquelle

Droben auf der Karlsburg wohnte zu Anfang des 8. Jahrhunderts die hl. Gertraude, eine Schwester des tüchtigen fränkischen Hausmeiers Karl Martell. Der hatte dem christlichen Glaubensprediger Burkardus das Jagdhaus Rorlaha, das sich auf einem Hügel bei dem heutigen Neustadt am Main befand, als Wohnung überlassen. Von hier aus verbreitete der hl. Burkard, der spätere Bischof von Würzburg, in der ganzen Umgegend die christliche Lehre. Gertraude hatte wahrgenommen, dass den frommen Männern zu Rorlaha eine Kapelle zur Abhaltung des Gottesdienstes fehlte. Sie ließ daher ein Kirchlein erbauen, dessen Reste noch vor geraumer Zeit neben dem Pfarrhause zu Neustadt sichtbar waren. Die hl. Gertraud kam öfters zu Fuß nach Rorlaha hinüber, um sich vom raschen Fortschreiten des Kirchenbaues zu überzeugen. Als sie wieder einmal gegen Rorlaha ging, brannte die Sonne in heißer Glut herab, und kein kühlendes Lüftchen wehte. Gertraude war dem Verschmachten nahe, und in der Mitte des Weges zwischen Waldzeil und Erlach konnte sie vor Müdigkeit nicht mehr weiter. Sie flehte zu Gott um Stärkung und siehe: es sprudelte hinter einem großen Steine am Weg eine Quelle hervor. Die Heilige labte sich am kühlen Trunk, ruhte eine kurze Weile auf dem Stein aus und ging dann neu gekräftigt weiter.

Die Quelle besteht noch heute und heißt Gertraudenbrünnlein. Ihr Wasser hat schon manchen, der sich damit wusch, in gläubigem Vertrauen auf die Fürbitte der Heiligen, von schweren körperlichen Leiden befreit.

Quelle: Spessart-Sagen, Valentin Pfeifer, Aschaffenburg 1948, S. 181f