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Gelnhausen

Der Hohenstaufe Friedrich der Rotbart war in seiner Jugend öfters auf einer Burg, die sich bei der heutigen Stadt Gelnhausen erhob und seinem Vater, dem Herzog von Schwaben, gehörte. Hier begegnete Friedrich der schönen Tochter eines Burgmannes, die Gela hieß. Und vom ersten Augenblick an entbrannte der Jüngling in heftiger Neigung zu ihr, und das Mädchen erwiderte seine Liebe. Doch wusste es, dass der Fürstensohn die Tochter eines einfachen Burgmannes keinesfalls zur Gemahlin nehmen könne. Denn schon damals klang der Ruf von Friedrichs Heldenmut und ritterlicher Art durchs deutsche Land, und das deutsche Volk setzte große Hoffnungen auf ihn.

In jenen Jahren nun rüstete Europa zu einem Kreuzzuge gegen die Türken. Auch der Herzog von Schwaben stellte einen Heerbann, und sein kühner Sohn zog begeistert mit, wenn ihm auch der Abschied von Gela schwer geworden war. Er hatte ihr versprochen, sie bei seiner Rückkehr als rechtmäßige Gemahlin heimzuführen, und sie solle auf ihn vertrauen, bis er wiederkomme. Als Friedrich fort war, überlegte das Mädchen: "Seine Gemahlin kann ich nur werden, wenn er zu mir herabsteigt und auf seine fürstlichen Rechte verzichtet. Das deutsche Volk aber", so sagte sie sich, "sieht mit großen Erwartungen auf den heldenhaften Spross des Hohenstaufen." Und was tat nun Gela?

Schweren Herzens gab sie ihr Glück hin und entsagte ihrer Liebe. Damit sie dem jungen Herzog bei seiner Heimkehr nicht mehr begegnete, verließ sie die Burg und ging in ein Kloster.

Reich an Ehre und Ruhm kam der junge Hohenstaufe wieder in Deutschland an. Da wollte er sogleich Gela aufsuchen, erfuhr aber, was inzwischen geschehen war.

Er musste sich ins Unabänderliche fügen; doch vergessen konnte er das Mädchen nicht; auch dann nicht, als er später den Purpur eines Kaisers trug. Und er gründete am Fuße jener Burg eine Stadt, die er "Gelahausen" nannte.

Von dieser Bezeichnung stammt der jetzige Name "Gelnhausen". Kaiser Friedrich der Rotbart ließ hier einen mächtigen Palast erbauen, dessen Ruine - die so genannte Barbarossaburg - noch heute sehenswert ist und das Ziel vieler Fremden bildet.

Quelle: Spessart-Sagen, Valentin Pfeifer, Aschaffenburg 1948, S. 197f