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Wie der Name Geishöhe entstand

In früheren Zeiten waren die Leute von Wintersbach und Krausenbach so arm, dass sie nicht einmal genug Futter für eine Kuh hatten. Drum hielt jede Familie ihre Ziegen, die mit wenigen Gräsern und Kräutern vorlieb nehmen. Allein auch an solchen mangelte es im oberen steinigen Elsavagrund. Zum Glück wuchs nicht weit von den zwei Dörfern auf einer Höhe üppiges Gras gleich einer Steppe. Die Einwohner von Wintersbach und Krausenbach dingten sich nun einen Hirten, der die Ziegen der zwei Dörfer auf die grasreiche Höhe zur Weide trieb.

So geschah es Tag um Tag, und die Herde gedieh; denn Peter war ein fleißiger Hirte. Nach zehn Jahren treuen Dienstes wollten ihm die Leute einen besonderen Lohn geben. Aber was sollten sie ihm schenken? Viel hatten sie ja selber nicht. Da schrieben sie auf einen Zettel, der brave Geißpeter möge einen Wunsch tun, und dann banden sie das Papier an den Hörnern eines Bockes fest. Vergnügt wie immer trieb der Hirt seine Herde bergan. Droben las er den Zettel, dann schrieb er auf die Rückseite seinen Wunsch, knüpfte das Papier wieder fest und ließ die Ziegen wie alle Abend ins Dorf trollen. Nun wussten die Leute, was der Geißpeter wünschte. Eine Hütte wollte er haben, droben auf der Grashöhe, inmitten seiner Herde. Und wirklich errichteten ihm die dankbaren Ziegenhalter ein Häuslein.

Der Geißpeter zog mit Frau und Kind auf die Höhe und wohnte von nun an in der Hütte. Mit der Zeit baute er daneben einen Schuppen nebst einem Stall und hielt für sich eine Anzahl Ziegen. Die Höhe aber bekam den Namen Geishöhe, und als sich im Laufe der Jahre noch mehrere Familien droben ansiedelten, wurde auch der entstandene Weiler Geishöhe genannt.

Wenn sich der Einweihungstag von Ziegenpeters Häuslein jährt, soll der auf dem Dache zu sehen sein. Und wer das Glück hat, den Geißpeter zu schauen, dem ruht das ganze Jahr der Segen auf Haus und Grund. Oh, ich wollte, auch ihr tätet ihn sehen!

Quelle: Spessart-Sagen, Valentin Pfeifer, Aschaffenburg 1948, S. 46