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Das Fräulein von der Kugelnburg

Zu Anfang des 13. Jahrhunderts wohnte auf dem Kugelberg bei Goldbach ein Ritter, der hatte eine Tochter, die war wegen ihrer Herzensgüte weit und breit geehrt und beliebt. Die Armen der Gegend hatten an ihr eine große Wohltäterin und gingen niemals unbeschenkt vom Schlosse.

Ein junger Ritter aus der Nachbarschaft warb um das edle Mädchen und verlobte sich mit ihm. Nach Beendigung einer Fehde, an der Ritter Veit zur Erfüllung seiner Lehenspflicht teilnehmen musste, sollt1; die Vermählung sein.

Die Fehde war siegreich beendet. Veit von Helmenroth eilte mit seinen Mannen frohgemut heimwärts. Schon leuchteten im Morgenrot die Zinnen der Kugelnburg, und das Hörn des Turmwächters schallte freundlichen Willkomm ins Tal hinab.

Veit von Helmenroth spornt sein Ross zu noch eiligerem Ritte an. Da kann er schon seine Braut auf dem Burgsöller erblicken; sie winkt ihm zu, und nun vergisst er vor Freude, dass das Ross auf dem steinigen Pfade die Zügel braucht. Das Pferd strauchelt, der Ritter stürzt in der schweren Rüstung vom Ross und fällt so unglücklich aufs Felsgestein, dass er regungslos liegen bleibt. Er ist tot.

Und nun ward er als Leiche durchs Burgtor getragen, das man für ihn zum festlichen Empfange mit frischem Grün geschmückt hatte.

Und seine Braut, das Burgfräulein? Zuerst glaubte es seinen Schmerz nicht verwinden zu können. Dann aber fügte es sich tapfer dem herben Schicksal.

An der Stelle, wo das Unglück geschah, ließ das Edelfräulein ein Steinkreuz errichten mit folgender Aufschrift:

1221.
Uf fr Velde
blieb hie tod
der Vest Mann
Veit von Helmenroth
Bitt Gott für sein Seel.

Viele, die den Fußweg zwischen Aschaffenburg und Goldbach gehen, wenden den Blick zu dem Gedenkstein hin und suchen die zum Teil unleserlich gewordene Inschrift zu entziffern.

Die Kugelnburg, die durch den Bauernkrieg gelitten hatte, ist später völlig vom Erdboden verschwunden. In neuester Zeit wurden durch einen Goldbacher Einwohner wieder einige Grundmauern der Burg offengelegt.

Quelle: Spessart-Sagen, Valentin Pfeifer, Aschaffenburg 1948, S. 37ff