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Erlenbach

Jahrzehntelang hatten sich in Deutschland die Fürstenhäuser der Welfen und Staufen bekämpft und dadurch dem Lande viel Unheil zugefügt. Ordnung und Sicherheit entschwanden, und dafür mehrten sich Raub und Mord. Zum Glück bestieg der tatkräftige Friedrich von Hohenstaufen den Königsthron, und mit starker Hand stellte der jugendliche Fürst die Ordnung im Reiche wieder her. Er ließ nur das Recht gelten und ging mit allen Mitteln gegen Verbrecher und Widerspenstige vor. Darüber waren die friedlichen Einwohner froh und standen ihrem Kaiser treu zur Seite.

Als der einmal von Gelnhausen aus mainaufwärts zog, blieb er im Dorfe Erlenbach über Nacht. Gar manche Schnapphähne und Wegelagerer, darunter auch solche, die ritterliche Namen trugen, hassten den Kaiser und suchten ihm aus dem Hinterhalt Schaden zuzufügen, wann und wo sie es vermochten. Da nun die Feinde Kunde erhielten, dass sich Friedrich im unbefestigten Dorfe Erlenbach aufhalte, nutzten sie die günstige Gelegenheit zum Überfall und schlichen sich im Schütze der Nacht ans Dorf. Allein sie hatten ihre Rechnung ohne die treuen Erlenbacher gemacht. Diese schliefen nicht, sondern wachten über ihren Herrn und König, hatten sich mit Waffen versehen und waren entschlossen, Blut und Leben für ihren Herrn dahinzugehen.

Die Feinde pirschen sich also im Dunkel an das vermeintlich ungeschützte Dorf, keine steinerne Mauer hindert sie daran, und jetzt wollen sie einbrechen, aber da stehen die Erlenbacher Männer da und wehren ihnen den Einlass. Geschwind wird dem König die Gefahr gemeldet, die Erlenbacher halten einstweilen den Feind tapfer auf, das Gefolge des Kaisers greift auch zu den Waffen, und das feindliche Gesindel wird in die Flucht geschlagen; der Kaiser ist gerettet.

Daraufhin befreite er die Erlenbacher von der Leibeigenschaft und der Jagdfron und erhob Erlenbach zu einem Reichsdorfe, dem er die Halsgerichtsbarkeit verlieh.

Zur Erinnerung an die Wachsamkeit der Erlenbacher Einwohner und an die ihnen verliehenen Rechte errichtete man im Dorf eine hölzerne Säule mit einem Kreuz darauf. Auf der Kreuzesspitze wurde ein Hahn angebracht und an den beiden Balken eine zum Eidschwur erhobene Hand und ein Schwert befestigt.

Als die hölzerne Säule verfiel, brachte man das Wahrzeichen auf die Brunnenbedachung neben dem Rathaus und später auf die Feuerlöschhalle.

Quelle: Spessart-Sagen, Valentin Pfeifer, Aschaffenburg 1948, S. 95f