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Der Eitel

Der Neuhof, an der Straße von Aschaffenburg nach Schweinheim, war vor längerer Zeit ein Spital für Pestkranke gewesen, und ein Mann, namens Eitel, hatte darüber die Verwaltung gehabt. Wenn nun ins Spital ein Kranker kam, für den vorausbezahlt war, so starb derselbe gewöhnlich nach mehreren Tagen, und der "Eitel" hatte seinen Vorteil dabei.

Der Eitel blieb ein böser Mann, bis er starb. Nach seinem Tode fand er im Grabe keine Ruhe; er hat "gewewert" und den Leuten allerhand Schabernack zugefügt. Wer des Nachts am Neuhof vorbei musste, wurde von ihm irregeführt, und manchmal tappten die Leute die ganze Nacht umher, ohne auf den richtigen Weg zu gelangen. Glaubten sie jedoch, ihn gefunden zu haben, so gingen sie plötzlich auf einer sumpfigen Wiese und sanken tief ein. Manches Mal waren sie so verblendet, dass sie den Hohlweg nicht sahen, hinunterstürzten und sich zu Tode fielen.

Noch schlimmer trieb es der Ruhelose im Neuhof selbst. Im Keller ging er als feuriger Hund um, und droben im Speicher polterte und lärmte er, als ob das wilde Heer darinnen wäre. Nicht einmal das Vieh im Stalle hatte Ruhe vor ihm. Es wurde geschlagen und geplagt, so dass es sich von der Kette losriss und in den Hof lief.

Nachdem die Leute den Unfug nicht mehr ertragen konnten, ließen sie einen Mann kommen, der sich aufs Geisterbeschwören verstand, und dem glückte es auch, den friedlosen Eitel in den Schornstein des Neuhofes zu bannen.

Im Hause war nun Ruhe; doch auf dem Wege ging der Eitel immer noch um.

Als einmal drei Bauernmädchen in einer Novembernacht von Schweinheim nach Aschaffenburg gingen - es war glockenhell wie bei Tag -, lief in der Hohle ein Mann vor ihnen her, und dann war er auf einmal wieder weg. Auch ein Schweinheimer, der in die Stadt ging, seine Frau zu holen, sah einen Mann vor sich hergehen, und weil er sich freute, Gesellschaft zu bekommen, fragte er nichts ahnend: "Gehen wir zusammen, lieber Freund?" "In Gott sind wir alle gut Freund!" sagte der andere und war im Augenblick verschwunden.

Quelle: Spessart-Sagen, Valentin Pfeifer, Aschaffenburg 1948, S. 26 - 27.
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