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Der Baumast

Am Dreifaltigkeitssonntag jährt es sich, dass ein Lohrer Bürger durch den Rotenberg nach Rechtenbach ging. An der Scherleswiese hatte er sich einige Ster Eichenbrennholz von einem Rechtenbacher Holzhändler gekauft. Seine Geschäftsgänge führten ihn fast jeden Sonntag dort vorbei, und wenn er auf dem Hin- oder Rückweg ein Stück Holz sah, nahm er dasselbe mit und legte es hernach auf seine Arke Holz. Als er sich am Feste der Dreifaltigkeit wieder auf dem Rückwege von Rechtenbach befand, sah er an seiner Holzarke einen sehr großen Ast, der von einem nahen Eichbaume abgebrochen zu sein schien, kerzengerade im Boden stecken. Es war ein Ast von ungefähr zwei Meter Länge und so dick wie ein Ofenrohr. Er machte sich sogleich daran, ihn aus der Erde zu ziehen. Aber es gelang ihm trotz schwerster Anstrengung nicht. Da sprach er für sich: "Raus musst du und wenn dich der Teufel 'raustut." Kaum hatte er dies ausgesprochen, da stand ein Jäger vor ihm, und der Bürger erschrak und dachte bei sich: "Jetzt kommst du auch noch auf die Rüg!" Zu gleicher Zeit läuteten die Glocken von Lohr zur heiligen Wandlung. Der Jäger gab dem Ast mit der Hand einen Schlag, dass er in weitem Bogen aus der Erde schnellte. Wie sich der Bürger bei dem Jäger bedanken und ihm sagen wollte, dass er mehr Kräfte habe als er, war der Fremde schon wieder verschwunden. Der Mann besah sich den Ast, und es schauerte ihn: denn, dachte er, mit rechten Dingen kann es nicht zugegangen sein.

Von der Zeit an mied er den gewohnten Weg und ging künftig auf der Landstraße nach Rechtenbach.

Der Fuhrmann, der das Holz holte, warnte die Frau jenes Lohrer Bürgers, sie solle sich in acht nehmen, dass sie keine Splitterchen in die Hand bekomme, denn es sei Teufelsholz.

Quelle: Spessart-Sagen, Valentin Pfeifer, Aschaffenburg 1948, S. 177f