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Im Backofen

In der Nähe von Schweinheim, das seit dem Jahre 1940 zur Stadt Aschaffenburg gehört, liegen die Berge Erbig und Erbsenrain. Wer nun in der Nähe von Schweinheim zwischen diesen Bergen hindurchgeht, kommt an eine tellerförmige Vertiefung, genannt: "Im Backofen". Dort wohnte vor vielen Jahren ein Bäcker, der war kein ehrlicher Mann. Zur Zeit der Teuerung mischte er Sand unter das Mehl und betrog auch sonst die Leute, wie und wo er nur konnte. Er gelangte dadurch zu großem Reichtum; doch als im Dreißigjährigen Kriege die Schweden kamen, ward sein Haus verbrannt, er verlor seine ganze Habe und starb als Bettelmann.

Viele Jahre vergingen, und es dachte niemand mehr an den betrügerischen Bäcker. Da fuhr einmal ein Mann hinaus, um einen Acker zu pflügen, der an den Platz grenzte, wo das Bäckerhaus gestanden hatte. Mitten im Pflügen vernimmt er ein Geräusch, wie wenn ein Bäcker eifrig bei der Arbeit ist, und er hört ganz deutlich noch eine Stimme rufen: "Misch das Brot, Frau, dass wir bald einschießen können!" Der Mann bleibt stehen, hört dem sonderbaren Treiben eine Weile zu, empfindet aber keine Furcht. Er pflügt seinen Acker hinauf und hinunter, und als er wieder hinkommt, wo sich die Stimme hören lässt, ruft er belustigt: "Na, so back mir auch einen schönen Kuchen!" Er sagt's freilich nur im Spaß und denkt nichts weiter dabei. Als er aber mit seinem Pfluge wieder herunterkommt, liegt am Ende der Furche ein schöner Kuchen.

Jetzt wird es dem Manne unheimlich. Er fährt mit seinem Pfluge heim, nimmt aber unwillkürlich den Kuchen mit. Daheim erzählt er alles seiner Frau, der zunächst ganz gruselig wird. Aber der Kuchen riecht gar so gut, und beide können es nicht unterlassen, davon zu essen.

Nach drei Tagen waren beide tot.

Quelle: Spessart-Sagen, Valentin Pfeifer, Aschaffenburg 1948, S. 30 - 31.