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Das Akzismännchen

Früher eilte oft in mondhellen Nächten ein Mann durch die Gärten, die sich einst am Güterberg erstreckten. Jetzt sind viele der ehemaligen Gärten mit Wohnhäusern überbaut, und eine größere Fläche wurde zur Erweiterung des Friedhofes benutzt. Der Mann nun, der in den Mitternachtsstunden mit schnellen Schritten die Gärten durchmaß, war klein von Gestalt, trug einen grünen Jägerrock und grüne Hosen, die in Stiefelschäften steckten.

Das Männchen hatte eine lederne gelbe Jagdtasche umhängen und einen Spitzhut auf, den es tief in die Stirne hineindrückte, so, dass nur die blitzenden Augen und der lange rote Bart sichtbar waren. Namentlich in der Zeit um Weihnachten zeigte sich das Männchen. Es machte sich an den Grenzsteinen zu tun und schritt in größter Eile hin und her, als ob es das Land durch Schritte abmessen wollte. Alte Leute aus der Fischergasse meinten, es wäre ein ehemaliger Feldmesser gewesen, der zur Lebzeit beim Ausmessen der Güter Unrecht beging und deshalb nach dem Tode umgehen musste.

Man nannte die gespenstische Gestalt das "Akzismännchen". Vielleicht war der Umgeher ein ehemaliger Zolleinnehmer; denn in der Nähe des Güterberges, wo sich Fischergasse, Obernauer Straße und Lamprechtstraße kreuzen, befand sich noch vor einigen Jahrzehnten ein Akzishäuschen. Hier hatten die Fuhrbauern, die vom Lande hereinkamen, den städtischen Pflasterzoll zu entrichten.

Quelle: Spessart-Sagen, Valentin Pfeifer, Aschaffenburg 1948, S. 18.