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Die Hand Petri und das Teufelsloch am Petersberg

Es war in der ersten Hälfte des siebenten Jahrhunderts, und das Kirchlein auf dem Petersberg bei Flintsbach war noch nicht lange fertig. Bald sollte es vom Bischof von Salzburg, dem heiligen Vitalis, geweiht und dem heiligen Petrus zugeeignet werden.

Der heilige Apostel Jesu wanderte eines Tages den felsigen, steilen Weg von Flintsbach aus hinauf auf den Berg um sich anzuschauen, was die Bergbauern, Handwerker und Wirtsleute im christlich gewordenen Inntal ihm da zugedacht hatten. Mühselig war der Weg für den alten Mann. Deshalb setzte er sich auf halber Höhe auf einen Felsbrocken, um zu verschnaufen.

Grad wollte Petrus wieder weiterwandern, als er sich einem anderen Wanderer gegenübersah. Sofort erkannte der Heilige, wer ihm da in den Weg trat: der Teufel war es. Mit einer heftigen Armbewegung wollte Petrus seinen Widersacher zur Seite drängen. Satan aber ließ sich nicht so ohne weiteres von seinem Vorhaben abbringen, den Berg für sich zu gewinnen, wodurch er den neuen Christen beweisen wollte, daß doch er der Stärkere wäre. Er meinte, dadurch könnte er die Getauften zum Abfall vom Glauben an den einen Gott bewegen.

Am steilen Bergweg entspann sich ein hitziger Zweikampf, Mann gegen Mann. Auf den zerklüfteten Felsen hoch über dem Abgrund, in den der Böse den Heiligen stoßen wollte, rangen sie verbissen und mit wechselnden Vorteilen miteinander. Zerschmettert sollten die Einheimischen ihren Kirchenpatron am Fuß seines Berges finden, dachte sich der Teufel, während er sich als Sieger über ihnen auf den Berg stellen und mit eigenen Händen die Kirche einreißen würde vor aller Augen.

Beide Ringer setzten all ihre Kraft ein. Kaum hatte Petrus den Teufel ins Latschengestrüpp gedrückt, riß ihm dieser ein Bein vom Boden, sodaß jener in den Abgrund zu taumeln drohte. Gerade noch konnte Petrus sich an einem Felszacken festhalten. Aber schon umfaßte ihn sein Gegner und hob ihn aus dem Stand, um ihn in die Tiefe hinunterzuschleudern. Im letzten Augenblick hatte der heilige Mann noch einen Arm aus der Umklammerung zu befreien vermocht. Mit der freien Hand machte Petrus das Kreuzzeichen über seinen Gegner. Sofort erlahmten dessen unheimliche Kräfte, und er mußte Petrus loslassen. Voller Zorn fuhr er daraufhin mit Getöse durch die Felsspalte am Wegrand hinab in sein finsteres Reich.

Auf halbem Weg zwischen Flintsbach und dem Peterskirchlein, dort, wo der Weg am steilsten ist und sich um einen zur linken Hand wie hingeworfen hochragenden Felsen windet, sieht man noch heute am zackigen Stein die Fingerabdrücke des Heiligen und daneben die schwarze, enge Felsspalte, durch die der Teufel entwichen ist.

Quelle: Einmayr Max, Inntaler Sagen, Sagen und Geschichten aus dem Inntal zwischen Kaisergebirge und Wasserburg, Oberaudorf 1988, S. 90