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Der unbekannte Reiter

Alle Jahre zur Zeit der Frühlingssonnenwende oder aber an einem bestimmten Tag im Spätherbst, so um Martini, kommt aus dem Falkenstein bei Flintsbach ein fremder Reiter herausgeritten und sprengt dann auf seinem schwarzen Roß, das eine leuchtend weiße Blaß auf der Stirn hat, durch die den Inn hinauf liegenden Dörfer. Mit einer solchen Geschwindigkeit reitet der unheimliche Geselle über Stock und Stein und durch die Straßen der Ortschaften und an den Einöden vorbei, daß sein weiter Mantel wild in der Luft flattert, und von den Hufen des Pferdes stieben die Funken und Steine spritzen zur Seite. Rätselhaft wie er gekommen, verschwindet der rasende Reiter irgendwo zwischen Flintsbach und den ersten Dörfern des Tiroler Inntales. Die Leute halten ihn für einen Nachzügler aus dem Schwedenkrieg. Unter ihrem Führer Gallas sind damals die Schweden auf der alten Römerstraße auf dem rechten Innufer gegen Tirol bis Kitzbühel gezogen. Zur Erinnerung daran findet sich dort in einer Kapelle die Inschrift: "Bis hierher und nicht weiter kamen die schwedischen Reiter".

Eines Nachts ist dieser unbekannte Reitersmann auf einem Feldweg so rasend schnell dahergesprengt, daß alles um ihn herum in Flammen stand. Er hat einen Mann verfolgt, der vor dem Rasenden in ein Haus flüchtete, dessen Türe gerade offen stand. Hinter sich schlug der Verfolgte die Tür zu. Der Reiter aber rannte in vollem Galopp mit solcher Wucht gegen das schwere Tor an, daß von dem sich aufbäumenden Pferd die Hufeisen im dicken Holz stecken blieben, als es mit den Vorderbeinen dagegen schlug. Dem Flüchtling war nichts geschehen, der Reiter samt Roß war spurlos verschwunden.

Hinweis: in diesem Text liegen historische Irrtümer vor. Gallas war Führer der Kaiserlichen/Katholiken, der Gegner der Schweden. Freundlicher Hinweis von Ernst Arlt, 22.01.2012.

Quelle: Einmayr Max, Inntaler Sagen, Sagen und Geschichten aus dem Inntal zwischen Kaisergebirge und Wasserburg, Oberaudorf 1988, S. 104