SAGEN.at >> Traditionelle Sagen >> Deutschland >> Bayern >> Sagen aus dem Bayrischen Inntal

   
 

Die Mär vom Herrn von Katzenstein

Gegenüber dem Einödhof und der Ruine Kirnstein am anderen Innufer schmiegen sich die wenigen Häuser von Windshausen an den Fuß des Kranzhorns. Gegen die Tiroler Grenze zu befindet sich der "Kaiserturm", der heute "Ruine Katzenstein" heißt. Dieser Turm gehörte nicht etwa zu einer Burganlage, sondern war ein Wehrturm, Waffenlager und Pulvermagazin, aus dem sich die zu den Waffen gerufenen Bauern mit Kriegsausrüstung versorgten. 1611 und im Dreißigjährigen Krieg wurde er verteidigt, 1703 flog er in die Luft, 1744 wehrten dort die Tiroler einen Angriff der Bayern ab und 1809 wurde er von bayerischen und sächsischen Truppen aus Tiroler Besitz erobert. Dann verfiel die Befestigung. Aber, vielleicht war in grauer Vorzeit dort doch einmal eine Burg gestanden, denn vom einst dort hausenden Herrn von Katzenstein geht folgende Mär:

Der grimme Herr von Katzenstein
Trank gar zu gern vom edlen Wein.
Sobald der erste Becher leer,
Bracht gleich der Schenk ein' vollen her.

Der grimme Herr von Katzenstein
Trank spät bis in die Nacht hinein.
Frühmorgens, wenn der Tag begann,
Fing er aufs neu' zu trinken an.

Der grimme Herr von Katzenstein
Der war ein Trinker, klug und fein,
Der niemals überschritt sein Maß:
Wohl achtzig Gläser und ein Glas.

Als einst der Herr ans Sterben dacht',
Hat er dem Land sein' Durst vermacht.
Drum gibt's im Bayernlande drein
So viele Herrn von Katzenstein.

Herr Ritter Katz von Katzenstein
Lebt' auf dem Katzenstein allein.
Er war ein wilder Ritter,
Er blickte grimm und bitter.

Frau Venus doch, die Schlimme,
Umfing ihm Herz und Sinne.
Schön Agnes von Neubeuren,
Die wollt' der Ritter heuren.

Doch weil er blickt' so bitter,
Mißfällt ihr sehr der Ritter.
Der, drob in wildem Grimme,
Trug schlimme Tat im Sinne.

Gar lieblich anzuschauen,
Die Maid ging in den Auen.
Herr Ritter Katz von Katzenstein
Stieß ihr den Speer ins Herz hinein.

Drauf er zum Wald gegangen,
Hat drin sich aufgehangen.
Nun steht der Turm so traurig,
Die Raben krächzen schaurig.

Quelle: Einmayr Max, Inntaler Sagen, Sagen und Geschichten aus dem Inntal zwischen Kaisergebirge und Wasserburg, Oberaudorf 1988, S. 144