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141. Von der Georgsinsel bei Kempten.

Etwa eine Stunde südlich der Stadt Kempten befindet sich unweit des Dorfes Kottern mitten im Flußbette der Iller eine felsige Insel, die Georgsinsel genannt, weil in alter Zeit eine Kapelle dort stand, die dem hl. Georg gewidmet war. Einen Teil der Felsen, welche die lange und schmale Insel bilden, hat man abgesprengt und dadurch die ursprüngliche Gestalt der nördlichen Seite zerstört, die ein Bild, wie man sich gewöhnlich die urweltlichen Drachen vorstellt - mit langem Hals, spitzem Schädel und mächtig großen Glotzaugen -, erkennen ließ.

Es ist ganz gewöhnlich, daß sich an solche Gebilde die Sage heftet. Sie erzählt, der hl. Georg habe hier einen Drachen, der die ganze Gegend unsicher machte, besiegt und in den Fluß geschleudert und dort in hartes Felsgestein verwandelt; denn, wird hinzugefügt, die Drachen von damals seien von hartlebiger Natur gewesen, denen weder das Schwert noch das Feuer oder Wasser etwas anhaben konnte, daher nur die Verkrustung und Umwandlung in hartes, totes Gestein die Gefahr einer Wiederbelebung ganz beseitigen konnte. Seitdem hatte das Land Ruhe und Frieden.

Quelle: Allgäuer Sagen, Aus K. A. Reisers "Sagen, Gebräuche und Sprichwörter des Allgäus" ausgewählt von Hulda Eggart, Kempten und München 1914, Nr. 141, S. 143.
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Franziska Meister, März 2005.