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Der Zeittöter Es lebte einmal ein gar seltsamer Mann. Er schickte sich an, seinen Ahnen zuzurufen, dass sie Idioten gewesen
seien. Es war geschehen, dass den Menschen die Zeit verlorengegangen war. Der Eine hatte immer an die Zukunft gedacht, die keine Lorbeeren für ihn ernten würde. Der Andere hatte stets die Vergangenheit geheiligt, als es noch menschliche Werte gegeben hatte. Der zweite Andere hatte nur im Jetzt gelebt und dauernd vergessen, dass dieses Jetzt nie in einer Konservenbüchse Platz finden kann. Aus diesem Grunde hatte er sich als erster der Drei die Frage gestellt, was denn der Pfarrer in der Kirche gemeint hatte, als er sagte, dass wir den Nächsten so lieben sollten wie wir uns selbst lieben. Da ich mich selbst nicht liebe, kann ich den Nächsten umso weniger lieben, hatte er in seiner grenzenlosen Vernunftideologie zusammenrechnen können, und daraus resultierend brauche ich mich um nichts und niemanden zu kümmern, da ich ja nicht einmal mich selbst als nennenswert erachte. Denn erachtete ich mich als nennenswert, dann liebte ich mich; so ist aber keine Spur von Eigenliebe in mir. Es war nicht unbedingt der Zeittöter gewesen, der jenes bewerkstelligt hatte. Der in der Vergangenheit kramende heiligte sich selbst. Er setzte sich den toten Kühen Ägyptens gleich; philosophierte mit den nackten Maden des Nebenviertels und aß zu Abend gern Hausmannskost. Er war allein wie Melanie, die an einem weißen Abendkleid stickte und dafür Tag für Tag von ihrem ebenfalls allein mit ihr und ihren vier Töchtern lebenden Mann gelobt wurde. Er schlug sie dafür reif für das Krankenhaus, was aber in dieser Zeit nichtig war, da die Kirchturmuhren und überhaupt jegliche Uhr streikte. Ein verzauberter Laubfrosch, der einmal ein Hirschkäfer gewesen war, nahm die Gestalt eines Menschen an und sollte sich als der Gegner des Zeittöters herausstellen. Der die Zukunft visionierende sah sich bereits in seinem Sarg liegen
und verfaulen. Er warf sich selbst eine rührselige Träne zu
und machte sich ansonsten keine Sorgen. Das Planen war durch den Verlust
der Zeit ausgelöscht worden. Der zum Menschen gewordene einstmalige Hirschkäfer, der solange als Laubfrosch dahinvegetiert war, konnte als einziger Mensch der ganzen Welt die Sekunden zählen. Nun mach mal, dachte sich der Zeittöter. Allerorts grübelte niemand nach über die Geschehnisse. Der Rettungsring der Erde zerbarst in Millionen Atombläschen. Selbst Rudi blieb davon keineswegs verschont. Atem anhalten und nichts wie weg. Da wurde der Zeittöter geköpft und aus seinem Hals wuchsen Veilchenblätter. Die Zeit trat wieder in das Bewusstsein der Menschen; denn der Zeittöter hatte es ja nur auf Wesen abgesehen gehabt, die über Zeitbewusstsein verfügten. Was ist nun mit Egon geschehen, wollte B. wissen? Für ihn habe ich dies alles aufgeschrieben und er hat mich trotzdem verlassen! Jedoch die Zeit bereitet nicht bloß E. Schwierigkeiten. Das wäre
eine zu leichte Ausrede. Nehmt Anleihe bei allen Menschenwesen und das
Märchen kann ohne Stolz verschwinden, als ob es nie existiert hätte.
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