SAGEN.at >> Märchen >> Märchen aus Ungarn >> Ungarische Volksmärchen

   
 

Legende von der Lerche, der Wachtel, dem Kiebitz und der Taube.

Als sie Jesum Christum fangen wollten, auf dass sie ihn ans Kreuz schlügen, da verbarg er sich vor seinen Verfolgern in einem Walde.

Wie ihn die Verfolger suchten, wollte sie die kleine Lerche auf eine andere Fährte weisen, dass sie Jesum Christum nicht fänden; aber die Wachtel begann zu schreien:

"Hier läuft er, hier läuft er, hier läuft er!"

Und darauf der Kiebitz:

"Birgt sich, birgt sich, birgt sich!"

Und schliesslich die Taube:

"Im Buschwerk da, im Buschwerk da, im Buschwerk da!"

So griffen die Verfolger Jesum.

Da verfluchte Jesus die drei Vögel. Die Wachtel, weil sie gerufen hatte "hier läuft er", verfluchte er dazu, dass sie nicht hoch fliegen könne, nur immer zwischen der Saat umherlaufe; den Kiebitz, weil er ihn mit seinem "birgt sich" verraten, verfluchte er dazu, dass er immer auf der Wiese unter Riedgras, unter Binsen sich berge; die Taube, weil sie den Verfolgern zugerufen hatte "im Buschwerk da", verfluchte er dazu, dass sie niemals auf einem Baum nisten, sich nur im Buschwerk aufhalten solle.

Aber die kleine Lerche segnete er, weil sie die Verfolger auf eine andere Fährte weisen wollte, dass sie am höchsten fliegen und nur sie allein im Fluge singen könne.

Quelle: Elisabet Sklarek, Ungarische Volksmärchen, Leipzig 1901, Nr. 47