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DER GEIST BEIM GRENZSTEIN Es war einmal ein Bauer, der war der reichste Mann seines Dorfes; aber er war ein solcher Geizhals und so habgierig, daß er Tag und Nacht darüber nachdachte, wie er noch reicher werden könnte. Ohnehin besaß er das beste Vieh, seine Felder waren die fruchtbarsten und größten; doch er mißgönnte seinen Nachbarn das kleinste Stückchen Acker. Der nagende Hunger nach Besitz ließ ihn nicht schlafen. Da kam ihm eines Nachts der Gedanke, daß er ja den Grenzstein, der seine Felder beschränkte, ausgraben und ein wenig ins Feld seines Nachbarn rücken könnte. "Das merkt kein Mensch`; dachte er bei sich, "und ich bin mit einem Schlage reicher, als ich war." Richtig stand er um Mitternacht auf, ging zum Grenzstein und fing an, ihn auszugraben. Da stand aber ein weißes Hündchen, das wollte es nicht leiden und bellte immerzu:
Er war aber nicht lange zufrieden. Wieder begann es ihn zu wurmen, daß der Nachbar noch immer ein gutes Stück Ackerland hatte; es gab ihm keine Ruhe, bis er eines Nachts um die zwölfte Stunde wieder aus seinem Bette kroch und hinausschlich und anfing, den Grenzstein auszugraben. Da stand diesmal ein grauer Hund, der wollte es nicht leiden und bellte in einem fort:
Der Alte aber dachte nur an sein Vorhaben und grub, so schnell er nur graben konnte und brummte dabei:
Nicht lange währte es mit seiner Freude; bald schien es ihm, daß der Nachbar doch noch zuviel behalten hätte, und wieder stand er um Mitternacht auf und ging hinaus, den Grenzstein auszugraben. Diesmal stand draußen ein riesiger schwarzer Fleischerhund, der bellte wütend:
Noch lange nachher wollten Vorübergehende oft um Mitternacht einen Schatten um jenen Ort wandeln gesehen haben, der stöhnend einen Grenzstein hin und her schleppte und laut seufzte: "Wo leg' ich ihn hin? Wo leg' ich ihn hin?" Einmal ging auch ein Handwerksbursch vorbei, der ein wenig zu tief ins Glas geguckt hatte. Als er den Geist so stöhnen und fragen hörte, rief er lachend: "Leg' ihn halt dorthin, wo du ihn hergenommen hast!" Da schleppte das Gespenst den Stein an die Stelle, wo er ursprünglich gelegen war, rief laut: "Dank'!" und verschwand für immer. Der Zuruf des Burschen hatte es vom Fluch erlöst.
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