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Wie der Schnaps Awamori
entstanden ist Früher waren auf der Insel Miyako weder Reiswein noch Reisschnaps bekannt, man mußte sich mit dem klaren Wasser zufrieden geben. An dieser Tatsache kann man erkennen, wie unglaublich früher das gewesen sein muß! Nun begab es sich einmal, daß ein Fischer draußen auf dem Meer war und auf die Wende der Gezeiten wartete. Er lag mit seinem Boot im Schatten eines großen Felsens und ruhte sich aus. Und wie er so saß, schaute er zufällig auch einmal in die Höhe der Steinmasse, und er bemerkte, wie um eine bestimmte Stelle, an der es eine kleine Mulde gab, einige Sperlinge herumflogen. Einer dieser kleinen Vögel kam ganz nahe bei dem Fischer vorbei, und der Mann konnte sehen, daß er eine Ähre Kolbenhirse im Schnabel trug. Ohne zu zögern flatterte das Tierlein zu der Grube im Fels, legte die Ähre nieder, zerpickte sie, verzehrte aber zum Erstaunen des Fischers das Getreide nicht. "Warum frißt der Kleine die Körner nicht? Vielleicht
will er sich einen Vorrat anlegen." Der Fischer wunderte sich, weil
aber inzwischen die Flut eingetreten war, hatte er keine Zeit mehr, über
das Verhalten des Vögelchens nachzudenken, und er ging wieder an
seine Arbeit. Awamori: Starker, einheimischer Schnaps von Okinawa. Er wird meist aus Langkornreis und Schwarzhefe hergestellt. Die Kenntnis von der Herstellung des awamori soll aus Thailand stammen. Dies ist ein Märchen von den Okinawa Inseln, die ganz im Süden von Japan liegen. Man kennt eine ähnliche Geschichte in Thailand. Nachzulesen in "Märchen aus Thailand", erschienen im Eugen Diederichs Verlag, unter dem Titel: "Die Erfindung des Rauschwassers". Quelle: Aus der Sammlung des Miyako minwa no
kai (Märchensammelgruppe von Miyako), in deutsche Sprache übersetzt
und veröffentlicht: Rotraud Saeki: “Märchen und Sagen
von den Miyako-Inseln”. OAG Taschenbuch Nr. 76, Tokyo 2000
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