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DAS ROTHHÜTCHEN [ROTHÜTCHEN] Einmal war eine Alte, die hatte eine Enkelin, welche das Rothhütchen [Rothütchen] hiess. Eines Tages waren sie auf dem Felde, da sagte die Alte: "Ich gehe nach Hause, über eine Weile magst du nachkommen und mir die Suppe bringen." Als nun Rothhütchen nach einer Weile auch heimging, begegnete es dem Orco, welcher sagte: "Ei, schönes Rothhütchen, wohin gehst du denn?" -"Ich gehe meiner Grossmutter die Suppe bringen. " "Gut" erwiederte er ",da komm' ich auch mit. Aber wo gehst du, über die Steine oder über die Dornstauden?" "Ich geh' über die Steine", sagte das Mädchen. "So geh' ich über die Domstauden!" versetzte der Orco. Sie gingen. Aber Rothhütchen kam auf dem Wege zu einer Wiese, da
blühten viele schöne Blumen von allen Farben und das Mädchen
pflückte davon nach Herzenslust. Indessen lies sich der Orco die
Eile angelegen sein und kam, obwol er auf den Dornstauden ging, vor dem
Rothhütchen zum Hause. Er ging hinein, erschlug und frass die Alte
und legte sich selbst in das Bett; vorher hatte er aber noch die Gedärme
statt des Strickes an die Thüre gehängt und das Blut, die Zähne
und die Kiefern in den Küchenschrank gestellt. Kaum war er im Bette,
so kam Rothhütchen und klopfte an die Thüre. "Herein",
rief der Orco mit dumpfer Stimme. Rothhütchen wollte die Thüre
aufmachen; aber als es merkte, dass es an etwas Weichem ziehe, rief es:
Ei, wie weich ist das Ding da, Grossmütterchen!" - *) Ital. polpette, d. i. eigentlich geröstete Scheibchen von zerschnittenem Fleisch und Brod [Brot]. Dass die rothe Farbe des Weines Rothhütchen befremdet, erklärt sich um so eher auch daraus, dass der Wälschtiroler seinen dunkelrothen Wein den schwarzen - "vino nero oder negro" nennt. -
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