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Der Sitznachbar in der U-Bahn

Folgende Geschichte hat mir eine Bekannte erzählt:

Im April dieses Jahres ist sie bei der Endstation der U1 (Zentrum Kagran) in Wien in die U-Bahn eingestiegen. An diesem Kopfbahnhof wenden die Zuggarnituren im Depot und fahren nach einigen Minuten in die Gegenrichtung*. Zusammen mit einer ihr unbekannten Frau setzte sie sich zu einem älteren Mann mit Bart, der schon in der U-Bahn gesessen ist. Nach einigen Stationen fragte die Frau sie, ob sie auch diesen eigenartigen Geruch rieche. Sie sahen beide den Mann an, der sehr blass wirkte und offenbar sehr tief schlief.

Am nächsten Tag traf meine Bekannte zufällig einen alten Freund von ihr, der als U-Bahnfahrer arbeitet und erzählte, dass seine Kollegen einen toten Mann in der U-Bahn fanden, der offenbar an einem Herzinfarkt gestorben war. Die Passagiere hätten seinen Tod jedoch erst später gemerkt. Die Tageszeit und das Aussehen des Mannes standen in keinem Widerspruch zum Sitznachbarn meiner Bekannten.

Die Geschichte von U-Bahn-Fahrgästen, die sich über einen auffallend ruhigen, starren oder übel riechenden Sitznachbar wundern werden wohl überall dort erzählt, wo es U-Bahnen gibt (vgl. etwa: http://www.snopes.com/horrors/gruesome/subway.htm). Das liegt vielleicht daran, dass man sich in diesem Verkehrsmittel besonders eng mit tausenden einem fremden Menschen an einem Ort ist und vielleicht trotzdem allein.

*Beim Wenden gehen die Fahrer den gesamten Zug ab. Ich vermute jedoch, dass sie ihn nur dann genauer kontrollieren, wenn der Zug im Depot bleibt.

Quelle: E-Mail-Zusendung von Arno Nowak, 20. Mai 2003.