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DIE LISTIGE KELLNERIN UND DER MÄDCHENMÖRDER

In Wien sind allemal Madelen weggekommen und allemal die ein bissel ein Geld erspart haben. No haben sie sich gedacht: Zum Teufel, was ist denn da eigentlich los? No ist einmal der Mörder zu einer Kellnerin hingegangen und hat gesagt, sie soll halt mit ihm auch einmal Spazierengehen, einen Ausflug machen mit dem Wagen. "Bist du nicht verzagt, daß es dir kann auch so gehen." "A na", hat sie gesagt, "so eine bin ich nicht." Und sie greift hinein in den Sack und sagt: "Jesses, jetzt hab ich etwas vergessen." "Ja, was hast du denn vergessen." "Ja, das Sparkassenbüchel", hat sie gesagt, "habe ich gesollt mitnehmen. Na, na, jetzt muß ich geschwind zurückgehen, um das Büchel, weil, das Büchel muß ich da haben, sonst könnten sie's mir nehmen daheim. Es war ein schönes Geld drin." No ist sie zurück. "Aber du", hat sie gesagt, "mußt warten da mit dem Wagen." "Ja, ja", sagt er, "ich wart schon da." Und sie geht zurück, meldet's geschwind dem Gendarmen, daß der so verdächtig geredet hat. Und die Gendarmen packen auf und gehen mit ihr und nehmen ihn hopp. No hat er es gestanden, daß es schon die dreizehnte ist, die er in Wien so umgebracht und ihnen das Geld genommen hat.


Quelle: Manuskript des Zentralarchivs der deutschen Volkserzählung, Marburg, ZA 170389 (1941);
aus: Sagen aus Wien, hrsg. von Leander Petzoldt, München 1993, S. 258