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Die spukende Nonne auf dem SOWI-Areal
- Unerklärliche Vorgänge in der Universitätsstraße 15

Auf dem Gelände der heutigen Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Innsbruck befand sich seit dem frühen 17. Jahrhundert ein Doppelkloster - das "Versperrte Kloster" der kontemplativen Servitinnen und das "Regelhaus" als eine Art adeliges Damenstift. Sie wurden von der zweiten Ehefrau Erzherzog Ferdinands II. Anna Caterina Gonzaga gestiftet, die selbst mit ihrer Tochter in das Regelhaus eintrat. Die Sorge um das Weiterbestehen dieser klösterlichen Anlage vertraute sie in ihrem Testament ihren Vettern, dem Landesfürsten Erzherzog Maximilian III. und dem späteren Kaiser Ferdinand II., an. Der Schutz hielt allerdings nur bis zu den Reformen Kaiser Josephs II. am Ende des 18. Jahrhunderts. Weiterbestehen durften nur Klöster, die sich in Form von Unterricht oder Krankendienst um andere Menschen kümmerten. Fieberhaft suchten die Nonnen nach einem Ausweg, um der Aufhebung zu entgehen - sie wollten das Gelübde des karitativen Elisabethinenordens ablegen und Kranke pflegen. Ihre Räumlichkeiten wurden dazu jedoch als zu ungeeignet befunden und so wurde 1782 das "Versperrte Kloster" und 1783 das Regelhaus aufgelöst. Die Schwestern und Regelhausdamen verstreuten sich in alle Winde.

Das versperrte Kloster in Innsbruck

"Das Versperrte Kloster, und das Reglhaus nebst der Kirche"
Lithografie aus dem Aigner-Kodex, koloriert,
Abbildung mit freundlicher Genehmigung Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum

Sofort nach Auszug der Frauen wurden die Klostergebäude und die dazugehörige Kirche als Kaserne umfunktioniert. Bald darauf breitete sich das Gerücht aus, dass nachts eine schwarz gekleidete Nonne umhergehen und Soldaten eine Ohrfeige geben würde. Selbst als 1844 die alten Gebäude abgerissen und die Klosterkaserne, später Fennerkaserne genannt, errichtet wurde, hielt sich das Gerücht hartnäckig. 1851 schreibt zum Beispiel das Innsbrucker Tag-Blatt einen Beitrag zur Geschichte des Gespenstes in der hiesigen Klosterkaserne. "Es war ein Weib in schwarzer Nonnentracht, kein weißes Fleckchen war an ihr zu sehen; die Arme trug sie über Kreuz, Gesicht und Hände waren gleichfalls schwarz; die Augen waren tief eingefallen, und starrten stier und ausdruckslos vor sich hin." Die Erklärung für das Verhalten der Nonne wurde manchmal in der unrechtmäßigen Verwendung kirchlicher Gebäude für weltliche Zwecke gesehen. Manchmal wurde jedoch an die Zeiten des bestehenden Regelhauses erinnert, hinter dessen Pforten ein wunderbarer und großer Überfluss an Vorräten geherrscht haben sollte. Diese Pforten seien in Teuerungszeiten für die Not leidende Bevölkerung jedoch fest verschlossen geblieben, auch wenn die Vorräte verdarben und warme Decken zerfressen wurden. Deshalb sei es nur natürlich, dass dort jemand umgehen müsse.

Klosterkaserne Innsbruck

Klosterkaserne Innsbruck
Stahlstich um 1900 auf Ansichtskarte gelaufen,
mit freundlicher Genehmigung: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum

1996 wurde die Fennerkaserne abgerissen und an ihrer Stelle der neue Komplex der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät gebaut. Schon im ersten Sommer löste sich unerklärlicherweise eine große Deckenplatte und krachte zu Boden. Der Fehler wurde der mangelnden Technik angelastet. Doch die Vorgänge häuften sich und im Sommer 2002 titelte ein Artikel der Tiroler Tageszeitung bereits wieder "Es spukt auf der Sowi - Unerklärliche Vorgänge an der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät".

Auch wenn bald technische Erklärungen für die Vorgänge nachfolgten, so ist es doch spannend, die Berichterstattung in den weiteren Zusammenhang der Jahrhunderte davor zu stellen.


Anmerkung: vergleiche auch "Spukende Nonnen" (1891), traditionelle Sagen.

Quelle: Email-Zusendung von Ellinor Forster. 16. Februar 2004
© Ellinor Forster



Frauenleben in Innsbruck, Forster, Stanek, von Schlachta

weitere historische (Frauen-) Stadtgeschichten von Ellinor Forster in:

Frauenleben in Innsbruck
ein historisches Stadt- und Reisebuch


Hg. von Ellinor Forster / Ursula Stanek / Astrid von Schlachta
Verlag Anton Pustet, Salzburg 2003, ISBN: 3702504680

Mit Beiträgen von:
Astrid von Schlachta, Alois Unterkircher, Corinna Lorenzi, Ursula Stanek, Andreas Bösche, Ellinor Forster, Andreas Winkler, Sonia Genser, Monika Resler