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DAS GEFÖNTE KANINCHEN

"bei bekannten eines freundes wurde anlässlich der erfolgreichen bewältigung des ersten studienabschnittes eine feier im garten abgehalten.
zu später stunde kommt der haushund mit einem toten kaninchen im maul zu den feiernden. der sohn des hauses erkennt darin des nachbarns geliebte kaninchen. um problemen mit dem nachbarn vorzubeugen beschließt die runde folgendes: sie waschen das ziemlich dreckverschmierte tier mit seife, trocknen anschließend das weisse fell mit einem fön und frisieren es. anchließend schleichen sie zum nachbargrundstück und plazieren das tote tier in seinem käfig.

am nächsten tag trifft man den nachbarn, der ziemlich aufgeregt folgendes erzählt: "stellt euch vor: gestern ist mein weisses kaninchen gestorben. ich bin also in den wald gegangen und habe es dort vergraben. und heute gehe ich bei seinem käfig vorbei und was sitzt dort drinnen?..."

Quelle: E-Mail-Zusendung von Stefan Gallé 11. August 2002, der diese Geschichte vor 3 Jahren von einem Bekannten mit dem glaubhaften Hinweis auf deren Richtigkeit in der Gegend um Graz gehört hat.

Variante:

"in einer siedlung trug es sich zu, dass der hund der frau meier den toten hasen der nachbarn daher brachte.
gott sei dank waren die nicht zu hause.

aufgrund der indizien sah sie in ihrem vierbeiner den hasenmörder.
um keinen verdruß mit den netten nachbarn, den hubers, zu bekommen, überwand sie sich, wusch den schmutzigen und immer noch toten hasen, fönte ihn und brachte ihn heimlich in den stall im nachbargarten - es sollte nach einem natürlichen tod ausschauen.

nächsten tag jedoch, trafen sich frau huber und frau meier und die huber erzählt der meier: "stellen sie sich vor, vorgestern ist unser hase gestorben und da haben wir ihn im garten vergraben und gestern abend lag er
plötzlich wie neu wieder im stall? na da versteh einer die welt?"

Quelle: E-Mail-Zusendung von Susanne aus Oberösterreich, 5. März 2005

Variante - Das tote Häschen

Eine Familie (Ein Ehepaar, zwei Kinder, ein Hund - was für den weiteren Handlungsverlauf nicht unbedeutend ist) hatte sich für den Umzug nach Osttirol entschieden. Doch schon am ersten Tag in der neuen Behausung
tauchte der Hund plötzlich nach einem Ausflug ins Nachbargrundstück mit einem wild mitgenommen aussehenden und natürlich toten Hasen im Maul auf.

Die Nachforschungen der Familie ergaben, dass ein verwaister Hasenkäfig im Garten der Nachbarn nur die Behausung des Beutestückes des Hundes gewesen sein kann. Um nicht gleich einen Nachbarstreit vom Zaum zu brechen ("Guten Tag, wir sind die neuen Nachbarn - ach ja, das mit Ihrem Hasen tut uns seeeehr leid!") entschloss man sich, so zu tun als ob nichts passiert wäre, schlimmer noch: Man entschloss sich dafür, den komplett verdreckten Hasen zu waschen; Als der Hase wieder als ein solcher erkennbar war, legte man ihn
einfach vor Nachbars Haustüre - sollten die doch denken, das Tier wäre an einem Herzinfarkt gestorben.

Am nächsten Tag kamen die Nachbarn zu Kaffee und Kuchen bei der zugezogenen Familie vorbei. Man redete über dies und jenes, bis der Familienvater der Nachbarn auf ein besonderes Thema zu sprechen kam - ihren Hasen. Und zwar:

"Stellt euch das einmal vor: Vorgestern haben wir unseren Hasen begraben - und gestern liegt er geschniegelt und gestriegelt vor unserer Haustür!"

Quelle: Die Geschichte vom Osttiroler Häschen wurde von Peter Lindner aus Osttirol am 11. August 2005 per E-Mail zugesandt.

Hinweis:

Herr Alfred Koch weist uns am 12. März 2007 darauf hin, dass die Sage vom gefönten Kaninchen ein literarisches Vorbild habe: Aus dem Tagebuch einer Killerkatze, Anne Fine, 1996 und 2001.
Die Sage ist jedoch wesentlich älter, bei Rolf Wilhelm Brednich, Die Spinne in der Yucca-Palme, finden sich mehrere Belege aus Göttingen, Deutschland, aus dem Jahr 1989.

Hinweis:

Herr Marc Gerhards uns am 19. November 2007 per E-Mail darauf hin, dass diese Sage 1996 in dem deutschen Spielfilm NACH FÜNF IM URWALD mit Franka Potente eine wesentliche Rolle spielt.